Zugegeben, ich bin im Moment auf dem Nostalgiepfad unterwegs. Ich sitze – wie meistens – am iMac und höre beim Surfen (sagt man das noch) Musik. Gestreamte Musik. Schon einige Male hatte ich mich als geouteter, exzessiver Nutzer von Spotify hier darüber beklagt, dass ich diese Veränderung im Vergleich zu früher™ auch nicht nur positiv finde.

Marvin Gaye und Curtis Mayfield höre ich. Soul vom Feinsten. Beide sind schon vor langer Zeit verstorben.
Über diese entspannte Tätigkeit fiel mir eine Geschichte ein, die womöglich nur für mich überhaupt eine Aussage hat. Aber versuchen kann ich es ja mal. Schließlich bin ich Blogger.
Es muss Ende der 1960er Jahre gewesen sein. Ich war gerade in der Lehre und operierte damals noch mit einem Saba-Tonbandgerät (etwa so etwas). In den frühen 60ern waren zwar bereits Stereogeräte State of the Art, aber ich war gerade in der Ausbildung. Da fehlte die nötige Knete.
Ich hatte gehört, dass man auf geheimnisvolle Weise das Tonbandgerät dazu bringen könnte, einen Zweikanalton zur Welt zu bringen. Auf die Idee, mir noch etwas Zeit zu nehmen, um schließlich eine Stereoanlage mit dem Ersparten zu kaufen, kam ich nicht. Ich musste zumindest versuchen, diese „Lösung“ mit dem Zweikanalton nutzbar zu machen. Da ich dabei war, eine kaufmännische Ausbildung zu machen, kann man sich vorstellen, dass ich technisch nicht unbedingt auf der Höhe war, um mich dieser Herausforderung zu stellen.
Aber wozu hat man Freunde? Einer von ihnen hatte bei einem kleinen Radiofachgeschäft (so hieß das) im Ort eine Lehre begonnen. Ich wusste, der war fit. Sein Lehrherr (auch so’n Wort für die Liste ausgestorbener Begriffe) war als Fachmann für TV-Reparaturen unersetzlich. Vor allem für meinen Vater. Nichts war schlimmer, als wenn das TV-Gerät den Geist aufgegeben hatte und wir (aufgrund permanenter Überlastung) auf den heimischen Fachmann warten mussten. Tagelang … Das hatte zur Folge, dass der Mann – wenn er denn da war – wie ein König behandelt wurde. Ein Fläschchen Doornkaat war kaltgestellt und durfte sicher sein – der Fernseher war erst repariert, wenn die Flasche leer war.
Die Männer waren kompetent und zuverlässig. Nie gab’s die Ausrede: „Das Gerät ist defekt, eine Reparatur lohnt sich nicht. Kaufen Sie sich einen neuen.“ Er verkaufte in seinem Geschäft auch neue TV-Geräte. Was repariert werden konnte, wurde auch repariert.
Ich bin also mit meinem Rad (das Tonband auf dem Gepäckträger) in besagtes Geschäft gefahren. Vorher hatte ich mich natürlich bei meinem Freund angekündigt. Er erklärte kurz, was er machen könne, und ich fuhr voller Vertrauen (noch ohne Tonbandgerät) wieder gen Heimat.
Am nächsten Tag war alles fertig. Ich holte das neue Pseudo-Stereogerät ab und war gespannt, wie sich das zu Hause anhören würde. Es hörte sich anders an. Soviel kann ich sagen. Ich weiß nicht, was ich damals für das Tonband-Tuning bezahlt habe. Wahrscheinlich hätte ich besser daran getan, das Geld für eine richtige Stereoanlage auf die hohe Kante zu legen.
Ungefähr 3 Jahre später habe ich mir dann meine erste Stereoanlage gekauft. Die Marke hieß Wega und wurde später (Mitte der 1970-er Jahre) von Sony übernommen. Das war dann richtig Stereo in allen Räumen. Nein, nur in meiner Mansarde, die ich damals allein bewohnte. Meine Frau und unsere Freunde erinnern uns an diese Zeit sicher besser als ich an die technischen Details, was das Tuning meines Tonbandes anlangt.
Was habe ich zu dieser Zeit noch alles unternommen, um aus der Musik (ich hatte damals noch keine Schallplatte!) das Beste herauszuholen! Heute sage ich: „Alexa, spiel dieses oder jenes“, und dann höre ich zwar, weiß aber nicht mehr wirklich das zu schätzen, was ich früher so phänomenal und einzigartig fand.
Beitrag zuerst erschienen auf https://horstschulte.com













