Im Nachbarort Kaster säumen seit Jahrzehnten rund 40 Kirschbäume eine etwa 400 bis 500 Meter lange Straße. Seit nunmehr 31 Jahren leben wir in Königshoven – und jedes Mal aufs Neue lieben wir es, wenn im April ihre Blüten aufbrechen und der Frühling sichtbar wird. Es ist dieses kurze, fast übermütige Aufleuchten, das uns daran erinnert, dass ein Jahr nicht nur aus Schlagzeilen und Sorgen besteht.
Heute lesen wir im Kölner Stadt-Anzeiger, dass ein Drittel dieser Frühlingsträume gefällt werden soll. Pilzbefall, morsches Holz, Sicherheitsbedenken. Sachliche Worte für etwas, das sich wie ein Verlust anfühlt. Die Arbeiten haben bereits begonnen. Motorsägen kennen keine Nostalgie.
Zum Glück sollen neue Kirschbäume gepflanzt werden. Ein Trost, der keiner ist. Denn Bäume wachsen nicht in Legislaturperioden, sondern in Menschenleben. Jahrzehnte werden vergehen, bis die Lücken geschlossen sind. Bis wieder ein Blütendach entsteht, unter dem man stehenbleiben möchte. Vielleicht erleben wir es noch, vielleicht auch nicht.
DSC02772DSC02763DSC02758Kirschbäume
Das Wurzelwerk der alten Bäume hat sich unter die direkt angrenzende, stark befahrene Landstraße geschoben. Ein schönes Bild eigentlich: Leben, das sich ausbreitet, Raum sucht. Nun wird es ihnen zum Verhängnis. Die Straße bleibt. Die Bäume gehen.
Mein Vater leitete vor Jahrzehnten die Gärtnerkolonne unseres Städtchens. Er erzählte oft von Fällungen – von Pappeln, von Kastanien. „Notwendig“, sagte er. Vernünftig. Aber zwischen seinen Worten lag immer auch Bedauern. Man fällt keine Bäume, ohne etwas mitzunehmen, das nicht messbar ist.
In Bedburg gibt es eine Pappelallee. Der Name klingt üppiger, als die Wirklichkeit inzwischen ist. Die Bäume wurden über die Jahre weniger, der Klang blieb. Auch bei den Kastanien hat sich ein Pilz ausgebreitet, der sich kaum aufhalten lässt. Fast jede trägt die Spuren davon. Sie stehen noch – aber gezeichnet.
Vielleicht ist es das, was schmerzt: nicht das abrupte Ende allein, sondern dieses langsame Verschwinden. Erst werden es weniger. Dann gewöhnt man sich daran. Und irgendwann merkt man, dass eine Allee nur noch Erinnerung ist.
Als ich den Artikel im Februar 2024 verfasste, konnte ich nicht ahnen, dass die Ereignisse Anfang September 2025 das Leben in unserem Städtchen so erschüttern würden – besonders für die mehr als 130 Familien, die nun schwer daran tragen.
In wenigen Fotos hatte ich die Arbeiten am sogenannten Hohenholzer Graben festgehalten und mich damals ein wenig darüber echauffiert, dass alte Bäume (gemäß Erzählung 100-jährige Buchen und Eichen) diesen Vorsichtsmaßnahmen weichen mussten. Naturschutz hat viele Aspekte.
So sah der „gut gefüllte“ Bachlauf aus. Ich kannte ihn immer nur ausgetrocknet und bin häufig hindurch gegangen – auf die andere Seite des Waldes.
Wie verheerend die Folgen der Flut waren – weit über die finanziellen Schäden hinaus –, lässt sich kaum ermessen. Besonders hart traf es die vielen Menschen, die erst vor wenigen Monaten in der neuen Siedlung ihr Zuhause gefunden hatten.
Lage des Baches (Hohenholzer Graben) – blaue Linie im oberen Bereich. Das besonders betroffene Wohngebiet (Ressourcenschutzsiedlung) ist blau gekennzeichnet.
Auf meinen Spaziergängen am Bachlauf bin ich oft am Rückhaltebecken vorbeigekommen. Welche Bedeutung es einmal haben könnte, war mir damals nicht bewusst. Dass seine Dimensionen nicht ausreichten, um die gewaltigen Regenmassen aufzufangen, wirkt heute unfassbar. 145 Liter Niederschlag pro Quadratmeter wurden gemessen, in manchen Orten wie Weiler-Hohenholz sogar über 160. Von dort strömte das Wasser talwärts und richtete in der Ressourcenschutzsiedlung Millionenschäden an.
Screenshot WDR
Jetzt sitze ich wieder am Rechner und schreibe über dieses Unglück, das nur ein paar Hundert Meter weiter viele Menschen in große Not gestürzt hat. Nach den Berichten im TV und anderen Medien denke ich, dass die Verantwortlichen der Stadt Bedburg sich verständlicherweise nicht nur einiges von den Betroffenen anhören mussten und müssen. Sobald die Verantwortlichkeiten endgültig geklärt sind, dürften Schadensersatzansprüche gegen die Stadt gestellt werden. Was diesen Menschen passiert ist, beschäftigt mich sehr. Abgesehen davon, dass es sich um ein Naturereignis von bislang unvorhersehbarem Ausmaß handelt, werden wir uns alle (nicht nur in Deutschland) auf die Folgen der Klimakatastrophe allen Bagatellisierungsbemühungen rechtskonservativer Akteure zum Trotz, einstellen müssen. Dass die Bereitschaft dazu infolge einer gesellschaftlichen Abstumpfung gegen jeden Sensibilisierungsversuch insbesondere umweltaffiner Gruppen und politischer Akteure (Grüne) im Keller ist, wird uns gewaltig auf die Füße fallen. Aber das scheint vielen ebenso egal zu sein wie die steigenden Stimmenanteile der AfD im Land zeigen.
Ein Familienvater sagte dem WDR sinngemäß, er hätte für sich und seine Familie einen anderen Bauplatz ausgewählt, wenn er von diesen Risiken, die angeblich bereits in der Planungsphase bekannt gewesen sind, gewusst hätte.
Die Stadt will nun den Wald hinter der Siedlung kaufen, um so die notwendigen Maßnahmen zum Schutz umsetzen zu können. Sollte die Stadt den Deal machen können, will sie nur einen kleinen Teil für Schutzmaßnahmen wie ein Regenrückhaltebecken oder Retentionsflächen nutzen. Für den Großteil der Fläche gibt es nach Angaben eines Stadtsprechers noch keine konkreten Pläne.
Ich hatte das Thema gerade erst. Es geht wieder um meine Stadt und Angriffe auf Bürgermeister und Verwaltung. Dieses Mal kommen sie vonseiten des Naturschutzbeauftragten, Rolf Thiemann. Natürlich werden sie auch in diesem Fall öffentlich vorgetragen — in einem offenen Brief, der an die Medien ging.
Wiederholte Kritik – diesmal vom Naturschutzbeauftragten
Nun, die Resonanz auf den offenen Brief scheint mir ziemlich verhalten zu sein. Aber dennoch fällt die Häufigkeit und die Härte auf, mit der Entscheidungen der Stadt kritisiert werden. Ich erwähnte, dass hier bald Kommunalwahlen (im September 2025) abgehalten werden. Vielleicht ist das eine Erklärung. Man möchte den schon einmal unterlegenen Kandidaten der CDU vielleicht pushen und greift deshalb zu übermäßiger, vor allem jedoch unfairer Kritik.
Wahlkampf durch die Hintertür?
Diesen Satz hat der CDU-Kandidat erst kürzlich formuliert. Mich erinnert er doch sehr an überkritische Bemerkungen einiger Bürger (bei Facebook):
„Wir brauchen mehr Bedburg und weniger persönliche Visionen.“
Michael Stupp, CDU-Kandidat
Eine Anspielung dieser Art kommt auch im offenen Brief von Herrn Thiemann vor:
„Wir können nur an unsere Stadtoberhäupte appellieren: Bleiben Sie auf dem Teppich und schaffen wieder eine attraktive Wohnqualität für ihre Bürger und keine mit Gewalt versuchte Großstadtatmosphäre.“
Naturschutzberater Rolf Thiemann
Fördermittel und der Vorwurf persönlicher Ambitionen
Hier soll vielleicht der Eindruck erweckt werden, dass persönliche Ambitionen unseres Bürgermeisters Vorrang gegenüber sachgerechten Entscheidungen hätten. Den Vorwurf: »Nur weil es Fördergelder« gibt, halte ich angesichts des Strukturbruchs in unserer Region und des zu findenden Umgangs damit für befremdlich.
„Mit großem Bedauern und Erschrecken haben wir in der Presse gelesen, dass am Bahnhof Bedburg die Grünfläche vom Vorplatz versiegelt und bebaut wird. Nur weil es Fördergelder gibt.“
Naturschutzberater Rolf Thiemann
Was steckt hinter der Kritik?
Das mag alles anders sein und sozusagen ohne Zusammenhang der normale Ablauf kritischer Auseinandersetzungen in diesen schwierigen Zeiten sein. Ich finde, man sollte genau überlegen und ggf. würdigen, dass hinter dieser wuchernden Kritik mehr stecken könnte.
Es ist nicht lange her, dass ich hier behauptet habe, es gäbe unserer kleinen Stadt noch wenig Probleme mit der Aufnahmebereitschaft von Flüchtlingen. Es hat sich was geändert. Innerhalb recht kurzer Zeit.
Am radikaler werdenden Auftreten, am Widerspruch gegen Unterkünfte für Geflüchtete, ändert nichts, dass es auch vernünftige Menschen gibt.
Ich glaube, bei den Aussprachen zwischen „dem“ Bürger und den Verantwortlichen der Stadt möchte ich lieber nicht dabei sein. Ich hätte nichts Konstruktives beizusteuern und mir ist nicht danach, denen, die Verantwortung tragen, dumme, hässliche Fragen zu stellen. Solchen Konfrontationen auf solcher Bühne gehe ich besser aus dem Weg. Emotional bin ich an diesem Thema alles andere als sattelfest. Am Ende sagt man noch etwas Falsches!
Die Verbrechen der Hamas liefern den Populisten Munition
Die Szenen, die sich nach dem barbarischen Überfall der Hamas auf israelische Zivilisten abgespielt haben, bleiben in unseren Köpfen.
Säuglinge und Kleinkinder wurden enthauptet, Frauen vergewaltigt und getötet. Der Bilder und Videos, die in den asozialen Netzwerken geteilt wurden, hätte es nicht bedurft. Unsere Vorstellungskraft reicht aus.
Viele haben dieses visualisierte Grauen nicht angeschaut, weil sie verständlicherweise mit diesem Ausmaß von Gewalt als menschliche Wesen gar nicht hätten umgehen können. Das israelische Militär, so las ich, hat Dokumente (Fotos und Videos) nicht veröffentlicht, weil die Inhalte so furchtbar grausam und verstörend waren.
Wie viele Palästinenser und Unterstützer der Hamas im arabischen Raum mit der Wahrheitsfindung umgehen, ist vor diesem Hintergrund einmal mehr nur unsäglich.
Was sich in Deutschland, gleich nach diesen tragischen Ereignissen abspielte, darf keinem von uns egal sein. Aber es leben Menschen unter uns, die sich entweder gar nicht äußern (was ich schon eigenartig finde) oder die sich in Relativierungen üben. Dabei spreche ich nicht über eingewanderte Bürger, sondern zunächst einmal von der einheimischen Bevölkerung.
Was stimmt nicht mit uns? Haben die woken Linken vielleicht recht, wenn sie provozierend feststellen, dass es rechtspopulistischen Deutschen egal sei, ob sie gegen Juden oder Muslime hetzen? Das ist empörend, aber typisch für die, die die Moral scheinbar gepachtet haben.
Überbietungswettbewerb bezüglich Antisemitismus
Diese Reaktion hierzulande auf den Angriff der Hamas ist so beschämend, dass es kaum auszuhalten ist. Und sie legt mindestens offen, dass diese Gesellschaft nachlässig geworden ist, wenn es darum geht, zwischen Antisemitismus und politischen Meinungen zu unterscheiden.
Diana Zinkler, Zeit.de
Es ist NIE egal, wenn Menschen sterben. Zumal dann nicht, wenn man weiß, dass sie keinerlei Schuld an dem tragen, was die Basis eines Konfliktes ist. Dieser Konflikt wurde während vieler Jahrzehnte nicht gelöst. Es steht mir nicht zu, die Schuld hieran zu verteilen. Dass es in dieser Öffentlichkeit aber sozusagen verboten ist, ihn als mögliche Begründung für die schweren Verbrechen der Hamas zu beschreiben, führt zu nichts anderem als sozialem Selbstmord.
Wieder spielen, die, die sich als die woken Deutschen in jede moralische Bresche werfen, eine Rolle. Man möchte glauben, es sei ein Betroffenheitswettbewerb ausgebrochen. Abscheulich und zum jetzigen Zeitpunkt aus meiner Sicht, zudem deplatziert!
Geschichte als Begründung?
Die Geschichte ist interpretierbar. Daran hindert auch ein solcher Miniexkurs in Geschichte nichts:
Eine andere Rechtfertigung für das Hamas-Massaker in der gegenwärtigen Diskussion ist diese hier: Man müsse das als Reaktion auf die Staatsgründung Israels und die seit 1967 anhaltende Besatzung der palästinensischen Gebiete verstehen.
Dabei wird ausgelassen, erstens, dass auch Juden schon seit mehr als 2.000 Jahren auf dem Gebiet Palästinas gelebt haben und zweitens, dass es diesen Staat brauchte, als im 20. Jahrhundert der Antisemitismus weltweit stark anstieg und das deutsche NS-Regime mit dem Holocaust das größte Verbrechen der Menschheit begangen hatte. Die Position, dass den Arabern allein das Land gehöre und Israel gar ein koloniales Projekt sei, entspricht nicht den Fakten.
Diana Zinkler, Zeit.de
Die Unfähigkeit der Politikergenerationen beider Seiten führt zu Elend, Gewalt und Tod. Auge um Auge.
Deutschland verantwortet den Holocaust. Ich frage mich, ob es historisch korrekt ist, dass durch den Holocaust der Antisemitismus weltweit angestiegen ist? Ich weiß, dass es Muslime gab (auch wichtige Führer), für die Hitler ein Vorbild war. Aber damit allein, lässt sich ein weltweiter Anstieg des Antisemitismus nicht erklären – oder?
Ich möchte mich mit Zinklers Ausführungen nicht weiter auseinandersetzen. Ich habe schon vor langem verstanden, wie gut wir Deutsche darin sind, uns selbst als die schäbigsten und bösesten Menschen auf der Welt zu beschreiben. Scheinbar tun wir es, gerade die höheren Bildungsschichten, unter negativen Superlativen nicht. Dabei bezieht sich Zinkler folgerichtig – auf Adorno – genau gesagt nach mehr Bildung. Ich nehme an für alle.
Davidstern an Häusern in Berlin
Deutschland hat eine große Verantwortung und wir sehen in diesen Tagen, in denen Juden von aufgestachelten Menschen und Antisemiten, die hier mit uns leben, angegriffen und bedroht werden. Und das nach den beispiellosen Verbrechen der Hamas in Israel gegen Juden. Dass unter den Angreifern bei uns Menschen sind, die Hauswände und Türen mit dem Davidstern beschmieren, ist unerträglich.
Es darf einfach nicht sein, dass nicht bloß Unterstützer der Hamas oder der Sache Palästinas, wie es manchmal euphemistisch heißt, sondern diese Leute gemeinsam mit deutschen Antisemiten, die aus ihren Löchern kriechen, den Staat herausfordern und uns Bürger beschämen. Es ist hohe Zeit, dass unser Staat endlich mit der Härte gegen die widerlichen Menschen vorgeht, die vonnöten und gerechtfertigt ist.
Die „Süddeutsche“ berichtet heute über eine Warnung, die der Leiter der Missbrauchsstudie, Harald Dreßing, ausgesprochen hat. Es geht um die vor der (Erst-)Kommunion übliche Beichte. Diese findet traditionell in Anwesenheit eines Geistlichen im Beichtstuhl statt. Dieser sei, so Dreßing, in der Vergangenheit jedoch oft Tatort für Missbrauch gewesen.
Die Bischofskonferenz ließ vor der bevorstehenden Kommunion verlauten, dass katholisch getaufte Kinder mit dem Besuch der dritten Schulklasse „fast ausnahmslos“ zur Erstkommunion gingen.
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Marktplatz Bedburg Blick auf Kirche
Die Vorstellung, dass Kindern in diesem Alter in einem Beichtstuhl die Beichte abgenommen wird, ist mMn nicht schön. Das hat in meinem Fall mit meinen persönlichen Erfahrungen zu tun. Es ist nichts vorgefallen, was die Aussage Dreßings stützen würde. Aber es war halt nicht der angenehmste Teil meiner Erinnerungen an die so lange zurückliegende Zeit als Erstkommunikant.
Angeblich sei die Beichte, so Dreßing, dazu missbraucht worden, Straftaten zu planen und vorzubereiten. Das ist perfide, liegt allerdings bei all dem Leid, das Priester in der Vergangenheit Kindern zugefügt haben, leider auch irgendwie nahe.
In unserer Gemeinde läuft es anders. Nämlich genauso, wie es im Beitrag der „Süddeutschen“ auch erwähnt worden ist.
Einige Bistümer bieten deswegen die Möglichkeit, die Beichte in einem nicht-sakralen Raum und bei geöffneter Tür abzuhalten. Vertrauenspersonen können so in Sicht-, aber nicht in Hörweite bleiben. Das Kind habe auch die Möglichkeit, den Raum zu verlassen, wenn es sich unwohl fühlt.
Süddeutsche Zeitung
Mein Großneffe ist katholisch getauft und wird übernächsten Sonntag erstmals kommunizieren. Die Beichte liegt bereits hinter den Erstkommunikanten. Sie erfolgte in einem offenen Raum. An zwei Tischen saß jeweils ein Priester, der die Beichte abgenommen hat. Als Grund für diese im Vergleich offenere Umgebung für die Beichte wurde mir die Angst mancher Kinder vor Beichtstühlen genannt. So schön die Beichtstühle vielleicht auch sein mögen, so sehr kann ich das Angstgefühl nachvollziehen. Deshalb halte ich die Neuerung für gut, auch wenn etwas mehr Ehrlichkeit vielleicht nicht geschadet hätte.
Ich finde die Beichtstühle in unserer Kirche, gerade in unserer denkmalgeschützten, wunderschönen neugotischen Kirche, beeindruckend imposant. Aber ich habe doch auch noch die unangenehmen Erinnerungen an lang zurückliegende Zeiten in mir. Deshalb bin ich froh darüber, dass die katholische Kirche in unserem Bistum, dem ja bekanntlich Rainer Maria Kardinal Woelki vorsteht, diese offene, freundliche Umgebung wie auch anderswo in Deutschland eingerichtet hat.
Es sind kleine Änderungen, die niemandem wehtun und die doch ein wenig dazu beitragen könnten, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Glaube ich wenigstens.
In diesem Jahr werde ich, so Gott will, siebzig Jahre alt. Es gibt viele Menschen in meinem Alter, die ihre Spuren im Internet hinterlassen haben. Ja, es gibt sogar über 90-jährige, die bloggen. Leider sind sie rar gesät.
Überhaupt ist die Neigung, seine Mitmenschen mit der eigenen Meinung zu belästigen, wohl eher rückläufig. Dabei soll die Zahl neuer Blogs angeblich steigen.
Die Leute haben sich je nach Gusto aufs Plaudern oder Hassen verlegt, was sie in den asozialen Medien auf „treffliche“ Weise vollführen. In der Kürze liegt die Würze, sagte man immer. Das Motto halte ich für stark überbewertet, wenn ich mir die zum Teil immer ekelhafteren Auswüchse so anschaue.
Berührungsängste und die asozialen Medien
Ob die im Verhältnis geringe Repräsentanz im Internet wohl auf Berührungsängste mit den asozialen Medien beruht oder auf anderen Ursachen, vermag ich nicht zu sagen.
Da ich vor Jahren mal ein Klassentreffen mitorganisiert habe, habe ich über die Adressenlisten alle Namen unseres Abschlussjahrgangs (1968) präsent. Anhand von Namen und Wohnorten habe ich via Google nach meinen Mitschülerinnen und Mitschülern gesucht.
Keine Treffer
Ich muss sagen, die Trefferquote ist sehr mäßig, um nicht zu sagen extrem übersichtlich. Ich finde kaum einen Namen wieder. Offenbar sind überwiegend diejenigen zu finden, die ein Geschäft haben bzw. hatten. Die meisten werden ja längst in Rente sein.
Spurlos
Die meisten von uns (aus meiner damaligen Klasse) haben also (im Gegensatz zu mir beispielsweise) im Internet keine bzw. kaum Spuren hinterlassen. Es gibt ja Menschen, für die ist das ein Wert an sich. Man könnte allerdings auch andere Schlussfolgerung aus meinen Erkenntnissen ziehen. Nun ja, leider gehört zur Wahrheit dazu, dass einige meiner MitschülerInnen schon gar nicht mehr unter uns sind.
Im Städtchen Bedburg, in einem Teil des Schlossparks, wurden Parzellen für mehrere Kleingärten eingerichtet. Das war vor etwa eineinhalb Jahren. Gärten einer ganz anderen Dimension hatte es rund um unser Schloss vor sehr vielen Jahren gegeben. Das lässt sich aus der verlinkten Dokumentation entnehmen.
Die Ankündigung fand unter dem Begriff „Urban Gardening“-Projekt statt. Eine Nummer kleiner und – wie ich finde – passender: Schrebergärten light.
Insgesamt wurden für das Projekt 2.500 Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Früher befanden sich an diesem Ort die Gärten der Schlossgärtnerei. Ich erinnere mich, dass mein Vater, der selbst Gärtner von Beruf war, und der damalige Besitzer gute Freunde waren. Das liegt schon sehr lange zurück. Jahrelang erinnerte nichts an diese Zeit. Ich war noch ein Kind.
Heute ist es anders. Meine Frau und ich besuchen die neuen kleinen Gärten regelmäßig. Wir haben Spaß an der Arbeit der zahlreichen Hobbygärtner.
Seit dem Frühjahr blüht dort immer etwas. Einen der Gärten bewirtschaften die Kinder der Wilhelm-Busch-Grundschule. Meistens sind es wohl Privatleute, die sich dort gärtnerisch betätigen.
Die einzelnen Parzellen sind zwischen 20 und 100 Quadratmeter groß.
Ich finde bei unseren Besuchen immer lohnenswerte Motive. Hier einige Fotos von heute.
In unserem Städtchen (Bedburg) entsteht relativ viel neuer Wohnraum. Ob es auch bezahlbarer Wohnraum ist? Es werden drei neue Wohngebiete erschlossen, die Wohneigentum sowie Mietwohnungen beinhalten. Die Politik sagt, es werde bezahlbarer Wohnraum geschaffen.
Je Quadratmeter 13 Euro – kalt
Inzwischen nehmen zwei der neuen Wohngebiete Gestalt an. Ich hörte, dass für die Mietwohnungen ein Quadratmeterpreis von knapp über 13 Euro aufgerufen wird. Bezahlbarer Wohnraum?! Ich glaube nicht.
Den Fortschritt der Bebauung habe ich verfolgt. In den asozialen Medien war ebenso Positives wie Negatives zu lesen. Es ist aus meiner Sicht absolut richtig, dass sich die Kommunen stark engagieren. Ob das überall im Bundesgebiet der Fall ist, vermag ich nicht zu sagen. Viele, davon bin ich überzeugt, sind der Politik für diesen Anstoß jedenfalls zuerst einmal dankbar.
Inzwischen sehe ich, dass die Zeitpläne zur Fertigstellung wohl nicht ganz eingehalten werden. Das mag aber ein falscher Eindruck sein. Schließlich sind wir längst an gewisse Verzögerungen gewöhnt. Ich wäre überrascht, wenn mal eine Baustelle termingerecht fertig würde.
Materialengpässe, personelle Probleme infolge der Pandemie sind, denke ich, hauptverantwortlich dafür.
Bauträger investieren nur, wenn es sich lohnt
Der Bauträger ist in unserem Fall die „Erftland“. Über eine Website konnte man sich bei Interesse für die verschiedenen Wohneinheiten melden. Ein alleinstehender Bekannter (70) war die Wohnung gekündigt worden.
Er hat sich dort angemeldet und seit Monaten keine Antwort erhalten. Auch telefonische Nachfragen blieben erfolglos. Wahrscheinlich sind alleinstehende ältere Männer nicht das, was sich die Damen und Herrn Vorstände solcher Wohnungsgesellschaften für ihre tollen Projekte vorgestellt haben…
Darüber hinaus: Ich würde freiwillig nicht dorthin ziehen. Die Häuser sind meines Erachtens in einer so schrecklich engen Art und Weise aufeinander gebaut, dass man sozusagen vom Wohnzimmer ins Wohnzimmer der Nachbarn schauen kann. Außerdem werden mindestens in einem der Gebiete hohe Häuser errichtet.
hohe Häuser – der Umwelt zuliebe?
Diese höheren Häuser mit einigen Stockwerken liegen zum Hauptverkehrsweg des Ortes, so dass sie vermutlich die dahinterliegenden Wohnungen auch als Lärmschutz dienen werden.
Im dritten geplanten Neubaugebiet entsteht ein Hochhaus mit 13! Stockwerken. Grüne, FDP und CDU wollten den Bau auf 6 Stockwerke begrenzen, die Mehrheit des Rates setzte sich jedoch knapp durch. Es bleibt bei 13 Stockwerken.
Interessant an dieser Entwicklung in unserem Städtchen ist, dass die Grünen, wie ich höre, aufgrund der in Deutschland immer noch stark voranschreitenden hohen Flächenversiegelung Bauprojekte unterstützen, die nicht in die Breite, sondern eben in die Höhe gehen. Das mag im großstädtischen Raum (in Berlin passiert das derzeit) eine gute Lösung sein.
Wie sinnvoll ist es jedoch, solche hohen Häuser in kleinstädtischen oder sogar dörflichen Umgebungen zu errichten?
Was denken wir in 40 Jahren über die neuen Hochhäuser?
Hatten „wir“ uns nicht in die Hand versprochen, in unseren Städtchen keine hohen Häuser mehr zu errichten und wie viele Jahre haben solche Wohnungen in solchen Bauten leer gestanden, sind verrottet? Bis sie schließlich sogar abgerissen werden mussten (Bergheim). Aber jetzt, modern und neu erbaut, werden sie von vielen Bürgern akzeptiert. Aber wie sieht es in 30 – 40 Jahren aus?
Die Versiegelung kann gravierende Folgen für die Umwelt haben: Denn zubetonierte oder asphaltierte Böden nehmen Nährstoffe und Regen nicht mehr auf. Je mehr Flächen wir versiegeln, desto mehr fruchtbarer Boden geht verloren.
Weil weniger Wasser in den Boden gelangt, gibt es zudem weniger Grundwasser – dadurch werden Trinkwassermangel und Dürreschäden begünstigt.
Auch das Risiko für Hochwasser steigt, denn das Wasser versickert nicht gleichmäßig im Boden. Die Wassermassen werden in Kanalisationen geleitet, die bei starkem Regen überlaufen können.
LINK Darum sollten wir unsere Böden nicht zubetonieren – quarks.de
Als seien dies nicht bereits genug Nachteile, die Flächenversiegelung mit sich bringt, auch die Artenvielfalt wird durch diesen Eingriff der Menschen beeinträchtigt. Selbst ein wie auch immer motivierter Rückbau bereits versiegelter Flächen hat Nachteile. Diese bestehen darin, dass immer Rückstände von Beton und Asphalt bleiben, die die Qualität des zurückgewonnenen Bodens respektive dessen Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
Bezahlbarer Wohnraum ist so unendlich wichtig. Aber was ist mit der fortdauernden Flächenversiegelung in NRW? Tag für Tag wird eine Fläche von 18 Fußballfeldern in unserem Bundesland versiegelt.In ganz Deutschland sind es 113 Fußballfelder oder 81 ha täglich!
Je näher der Tagebau dem Sonnenhof kam, desto mehr Ratten tauchten in unserer unmittelbaren Umgebung auf. Das Haus lag im äußeren Bereich des Grundstücks und somit dem Grubenrand am nächsten.
In einer Ecke der Waschküche befand sich eine Pumpe. Sie wurde mit einem breiten Keilriemen und einem Elektromotor betrieben. Ungefähr so sah das aus. Unser Haus war nicht an die städtische Kanalisation angeschlossen, weil das Gelände weit vom Schuss war. Am Haus befand sich eine kleine Kläranlage, die mehr oder weniger regelmäßig von einem kommunalen Entsorgungsunternehmen entleert wurde. Meiner Mutter war die Pumpe nicht geheuer. Wenn es darum ging, sie in Betrieb zu nehmen, hat sich dies immer meinem Vater überlassen.
Die Geschichte mit der Pumpe erwähne ich primär deshalb, weil wir glaubten, dass unser Besuch nur durch dieses offene „Wasserloch“ ins Haus gekommen sein konnte.
Gruselig
Eines Tages kam meine Mutter ziemlich aufgeregt aus dem Keller zurück und berichtete, sie habe dort eine Ratte gesehen. Dass wir ab und an Mäuse im Keller hatten, war nichts besonderes. Schließlich lebten wir direkt neben der Gärtnerei, die Vorräte an Leckereien gingen nie zu Ende. Zum Glück waren wir bis dahin von Ratten verschont geblieben. Das hatte sich damit schlagartig geändert. Mein Vater meldete Zweifel an. Ganz nach dem Motto: es gab bisher keine Ratte, dann wird sie sich sicher versehen haben.
Nun, er hatte die Rechnung ohne meine Mutter gemacht. Sie bestand darauf, dass er sich um die Ratte kümmerte. Er versuchte es also zuerst mit Fallen. Also, natürlich richtigen Rattenfallen. Nicht sowas hier.
Es funktionierte nicht, obwohl er es über mehrere Tage versucht hatte. Die Köder wurden zwar scheinbar angerührt aber nie aufgefressen. Daher blieb die Jagd bis dahin erfolglos. Mein Vater musste zu drastischeren Mitteln greifen. Derweil war meine Mutter nicht dazu bereit, auch nur einen Schritt in diesen Keller zu setzen.
Der Schuss
Mein Vater besaß ein Kleinkalibergewehr oder es war ein Luftgewehr. Keine Ahnung. Mit dem Kaliber konnte man sich jedenfalls einer Ratte entledigen. Er kokelte ein Stück Speck an und positionierte es mitten im Kellerflur. Alle Keller – Türen standen offen. Er musste lange warten, bis sich etwas tat. Dann erschien tatsächlich – eine Ratte. Und was für eine. Ein echte großes Teil. Mein Vater legte an und schoss. Das Mistvieh lief weg. Er konnte gerade noch sehen, in welchen der Kellerräume sie entkam. Da es schon ziemlich spät war, mochte er nicht nachsetzen und ging stattdessen erstmal schlafen.
Am nächsten Morgen kam Kurt, einer der Fabrikfahrer vom Linoleum, um irgendwas aus der Gärtnerei abzuholen. Mein Vater fragte ihn, ob er ihm mal kurz helfen könnte. Er schilderte die Geschichte und erklärte dem Mann, was er nun vor hatte. „Wir gehen in den betreffenden Kellerraum. Die Ratte muss dort sein. Weg konnte sie nicht und vielleicht hat die Kugel sie ja auch getroffen.“ Gesagt, getan.
Die beiden Männer gingen in unseren Keller und öffneten den Raum, in den das Untier sich verkrochen hatte. Kurt schloss vorsichtshalber die Tür hinter sich, damit die Ratte auch nur ja nicht das Weite suchen konnte. Es dauerte wenige Minuten und die Ratte war gefunden. Die Kugel hatte sie getroffen und das Tier war vermutlich kurze Zeit später verendet. Meine Mutter würde erleichtert sein. Der häusliche Friede konnte wieder einkehren.
Klinke
Erst jetzt bemerkten die Männer, dass sie im Kellerraum eingesperrt waren. Was Kurt nämlich vorher nicht gesehen hatte, war, dass der Raum innen über keine Türklinke verfügte. Erste Versuche, sich selbst aus dieser Misere zu befreien, scheiterten. Meine Mutter war in der Küche und erzählte später, wie irritiert sie darüber war, dass zwei erwachsene Männer bei der Jagd nach dem Nager einen solchen Lärm veranstalteten. Dabei waren es zunächst die vergeblichen Hilferufe der beiden Männer. Erst nach einer Weile begriff meine Mutter, dass da etwas nicht stimmen konnte. Also ging sie – immer noch etwas ängstlich – in den Keller. Sie verstand erst jetzt die missliche Lage der Rattenjäger.
Die Rettung
Sie ging zur Tür des Kellerraumes und befreite ihre beiden Helden aus ihrer Situation. Über diese Geschichte haben wir im Kreis der Familie und mit Freunden später noch oft herzlich gelacht.
Der Sonnenhof hatte für uns Kinder etwas Paradiesisches. Meine Schwester wurde dort geboren. Ich bin fünf Jahre älter als sie und war etwa 3 Jahre alt als wir dorthin gezogen sind.
Mein Vater war 29 Jahre alt als er aus 5jähriger russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückgekehrte. 1939 war er einberufen worden und erst 1949 nach Hause zurückgekehrt. Ich denke, wie viele in dieser Lage, hat er versucht, wenigstens ein Fitzelchen der durch den Krieg verlorenen zehn Lebensjahre nach- oder aufzuholen.
Meine Mutter und er lernten sich im Sommer in der „Badeanstalt“ unseres Städtchens kennen. Meine Mutter erzählt heute noch, dass sie von seinen wunderbaren weißen und makellosen Zähnen begeistert gewesen wäre. Ich glaube ja, ein bisschen mehr wird es wohl gewesen sein. Schließlich hat ihre Ehe über fünfzig Jahre gedauert.
Meine Mutter war 19 Jahre alt als sie meinen Vater kennenlernte. Sie kümmerte sich als Älteste ganz allein um ihren Bruder und ihre kleine Schwester. Die drei Geschwister waren schon seit einigen Jahren Vollwaisen. Mein Vater nahm gewissermaßen die väterliche Rolle ein.
Als gelernter Gärtner bekam er eine entsprechende Stelle auf dem Sonnenhof. Seine Aufgabe bestand in der gärtnerischen Pflege eines, jedenfalls für heutige Verhältnisse, sehr großen Privatbesitzes. Dieser gehörte einem der Industriellen, die es damals noch in unserer Stadt gegeben hat. Neben seinem Chef gab es außer meinem Vater in der Gärtnerei noch drei Kollegen – alle ebenfalls Gärtner.
Als Mitte der 50er-Jahre der Chef meines Vaters verstarb, trat er dessen Nachfolge an.
Damit war unser Umzug auf den Sonnenhof in ein „eigenes“ Haus beschlossene Sache. Übrigens, ein Haus mit Zentralheizung und Badezimmer. Ich war damals noch zu klein, um mich an diese geradezu luxuriösen Veränderungen für unsere Familie erinnern zu können. Anfang der 1970er, der Sonnenhof musste dem Rheinbraun – Tagebau weichen, zogen wir in eine Mietwohnung in Blerichen. Dort gab es keine Heizung. Den Unterschied habe ich damals kennengelernt. War nicht schön. Man gewöhnt sich halt leichter an positive Veränderungen 🙂
Bilder vom alten Sonnenhof:
Wir wohnten gleich neben der Gärtnerei, zwei riesige Gärten lagen keinen Steinwurf von unserem Wohnhaus entfernt. Die Familie Holtkott, die Besitzer des Anwesens, führten neben den RLB Werken in Bedburg u.a. noch ein mittelgroßes Hotel in Köln auf dem Kaiser-Wilhelm-Ring. Dafür wurden unzählige Blumen, Gemüse und eben alles Mögliche gebraucht.
(Luftaufnahme Sonnenhof. Das ist das Hauptgebäude. Um dieses herum erstreckte sich ein Waldgebiet mit zwei große Gärten und einige Kilometer Wanderwege.)
Meiner Schwester und mir mangelt es nicht an wunderbaren Erinnerungen an eine richtig schöne Kindheit. Unsere Freunde, die den Sonnenhof kennengelernt haben, teilen bis heute unsere Begeisterung.
Ich möchte eine Geschichte erzählen, die passiert ist, als ich ungefähr fünf Jahre alt war. Also zu einer Zeit, als meine Schwester noch nicht geboren war. Ich erinnere mich noch ziemlich genau.
Auf dem Gelände des Sonnenhofs gab es einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, einen Tennisplatz, ein Schwimmbecken, einen Seerosenteich und zwei große Weiden für Kühe. Ich glaube, es waren 5 oder 6. Schweine und Hühner gab es auch. Für die Pflege der Kühe war ein so genannter „Schweizer“ zuständig.
Jeden Abend gab es für uns einen Liter frische Milch. Diese wurde nach dem Melken in der so genannten Milchküche (siehe Bildbeschreibung in der Foto-Galerie) bearbeitet, so dass sie danach nur noch abgekocht werden musste. Meine Aufgabe war es, unseren Liter Milch abends abzuholen und in unsere Küche zu bringen.
Eines Abends, draußen war es schon fast dunkel, wollte mein Vater die gerade von mir abgelieferte Milch kochen. Meine Mutter war noch zum Einkauf in Bedburg. Übrigens hatten wir nie ein Auto. Deshalb wurden die wöchentlichen Einkäufe grundsätzlich zu Fuß oder mit dem Rad erledigt.
Bedburg lag ca. 3 bis 4 km (?) vom Sonnenhof entfernt, genauer gesagt von unserem Haus. Das war eine der Schattenseiten unserer ansonsten privilegierten Wohnlage. Zur Bedburger Schule war es ein langer Weg, auch mit Rad. Im Winter lag leider schon damals nicht so häufig Schnee, dass ich oft in die Verlegenheit gekommen wäre, meine geliebten Gleitschuhe anzulegen. Was hat das für einen Spaß gemacht, wenn man mit diesen Dingern auf noch unberührten weißen Wegen unterwegs war! Sogar dann, wenn es in die Schule ging.
Unsere Küche war groß. Neben dem Kohleofen gab es noch einen Elektroherd, einen Tisch mit vier Stühlen und eine große Couch. In der Ecke stand ein altes Radio, das ständig lief. Ein Kühlschrank fehlte damals noch. Zum Kühlen diente der Keller. Es gab ein mit Fliegendraht abgetrenntes Schränkchen. Das war’s.
Der Lichtschalter in der Küche bestand in einer Quaste, den ich (später) gern als einen Hauch von Luxus bezeichnet habe. Das Ding insgesamt kann man sich ungefähr so vorstellen.
Mein Vater stand am Herd und war dabei die Milch abzukochen. Ich hatte Langeweile. Große Langeweile. Ich wedelte ein bisschen mit der Quaste (dem Lichtschalter) und ließ ihn kreuz und quer, hin und her pendeln. Mein Vater bekam das mit und ermahnte mich, jetzt bloß nicht das Licht auszuschalten. „Die Milch kocht gleich!“
Gute Idee, dachte ich. Ich wartete, bis die Milch aufkochte und mein Vater Anstalten machte, mit den zwei Topflappen den heißen Milchtopf vorsichtig vom Herd zu nehmen. In diesem Moment…
Klick. Licht aus. Es war (inzwischen) stockfinster. Ein Schrei, Wut. Hooooorst.
Die Operation war also gelungen, und ich war deshalb schon eiligst unterwegs nach draußen. Ich durchquerte schnell den langen mit einem „Teppich“ aus bedruckter Teerpappe (Feltbase war damals in) ausgelegten Flur. Gleich vor unserem Haus stand eine Hecke (s. Foto). Sie umgab beinahe die gesamte Front der Gärtnerei und stellte für mich als damals Fünfjährigen noch ein Hindernis dar. Mein Vater und ich spielten zwischendurch gern mal Olympiade. Eine der Disziplinen war das Überspringen dieser Hecke. Würde mir das ausgerechnet heute in dieser Notlage zum ersten Mal gelingen?
Es war dringend nötig, denn mein Vater war bereits kurz hinter mir. Ich nahm Anlauf und … Mist! Ich blieb hängen und fiel fast aufs Gesicht. Das war nicht weiter schlimm, aber der Sturz raubte mir den Vorteil. Mein Vater hatte mich am Schlafittchen.
Ich erinnere mich nicht daran, wie die anschließende Standpauke ausfiel. Schlagen war kein Erziehungsmittel meiner Eltern. Ich weiß noch, dass es später vier-, vielleicht fünfmal Situationen gab, in denen mein Vater die Beherrschung verlor und mir eine geklatscht hat. Das war später.
Im 1. Schuljahr von einem Lehrer eine Ohrfeige bekommen, weil ich nicht aufgepasst hatte. Damals (Anfang der 60er Jahre) war das noch ganz normal. Nicht für meinen Vater. Er fuhr – mit dem Rad – zur Schule und hat dem Lehrer die Meinung gesagt. So war das. Dieser Lehrer und ich sind keine Freunde geworden. Als er sich, ich war schon in der 4. Klasse, den Arm brach, lernte ich im Blitzverfahren, wie sich Schadenfreude anfühlt.
Die Geschichte geht noch weiter: Nachdem Papa mich also gestellt hatte, folgte die Ansage: „Ab ins Bett!“
Wenig später kam meine Mutter nach Hause und fragte sofort: „Wo ist der Jong?“ „Im Bett!“ antwortete Papa ein wenig zu harsch. „Wie im Bett, was ist denn passiert?“. Ich erinnere mich daran, dass ich Spaß hatte, dass die beiden jetzt Knatsch hatten. Schlimmes Kind!