Kategorie: Bedburg

  • Weshalb sich 2015 doch wiederholt

    Ich habe Bard gefragt, weshalb sich 2015 wiederholt. Eine ganz knappe Fragestellung. Interessant, dass bei Google Grüne oder SPDler an den Pulten zu sitzen scheinen. Jedenfalls klingt Bards Erklärung für das Desaster, das Städte und Kommunen überfordert, weder nach AfD noch nach anderem konservativen Politsprech.

    Die Repräsentanten auf kommunaler Ebene sind parteiübergreifend der Ansicht, dass das so nicht weitergeht. Aber die Regierung tut, als hörte sie die Alarmrufe der Basis nicht.

    Als die NPD damals den Satz benutzte: Das Boot ist voll, empfand ich das als übertrieben und herzlos. Ich bilde mir ein, ein empathischer Mensch zu sein, der das Leid der Geflüchteten sieht und damit einverstanden ist, zu helfen, wo es nur geht. Aber ich sehe, wie die Bereitschaft der Menschen in diesem Land ausgenutzt und überstrapaziert wird. Nicht nur von den linken und grünen Politikern, die weiter an offenen Grenzen festhalten, sondern auch von Geflüchteten. Das hat für mich alles verändert.

    Heute gibts die Info, dass die Stadt Bedburg wegen der Zuweisung weiterer Geflüchteter die Bürgerhalle (in unserem Dorf) bis ca. Dezember beschlagnahmen muss. Das Wort „beschlagnahmen“ fiel da nicht. Aber ist es etwas anderes? Der Bürgermeister bedankt sich artig bei den Bürgern und Vereinen, die übrigens nicht vorher, sondern erst im Nachhinein von dieser Maßnahme erfuhren. Der Bürgermeister muss auf unser Verständnis hoffen.

    2015 und die folgenden Jahre habe ich alles mitgetragen und die Positionen der Regierung unterstützt. Überall, bei jeder Gelegenheit. Ich habe mich mit Freunden und Verwandten angelegt. Ich habe als Helfer in einer anderen Halle mitgemacht. Das allerdings nur für wenige Tage. Ich wurde krank. Ich hätte jetzt Zeit.

    Aber ich denke heute anders als 2015.

    Mit dieser Erklärung, die Bart mir in diesem Text gibt, bin ich nicht einverstanden. Ich sehe, dass dieses Land über die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gebracht wurde. Von verantwortungslosen Politikern, die der Welt gegenüber schön tun und die Folgen im eigenen Land ignorieren.

    2015 wiederholt sich nun doch, weil sich die Ursachen für Flucht und Vertreibung nicht grundlegend geändert haben. Zwar ist die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung fliehen, in den letzten Jahren etwas zurückgegangen.

    Dies liegt jedoch vor allem daran, dass sich die Lage in einigen Ländern, wie etwa Syrien, etwas stabilisiert hat. In vielen anderen Ländern, wie etwa Afghanistan, Somalia und Sudan, ist die Lage jedoch weiterhin sehr instabil und unsicher.

    Zudem hat sich der globale Klimawandel zu einer weiteren wichtigen Ursache für Flucht und Vertreibung entwickelt. Dürren, Überschwemmungen und andere extreme Wetterereignisse zwingen immer mehr Menschen, ihre Heimat zu verlassen.

    In Deutschland hat sich die Situation durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zusätzlich verschärft. Seit Beginn des Krieges sind bereits über 900.000 Ukrainer nach Deutschland geflohen. Diese Menschen haben einen Anspruch auf Schutz und Unterstützung.

    Die Bundesregierung hat zwar angekündigt, dass sie die Aufnahmekapazitäten für Flüchtlinge ausbauen will. Dies dürfte jedoch nicht ausreichen, um der aktuellen Situation zu begegnen. Es ist daher zu erwarten, dass sich die Migrationszahlen in den nächsten Jahren weiter erhöhen werden.

    Hier sind einige der wichtigsten Gründe für die Wiederholung von 2015:

    • Die Situation in vielen Herkunftsländern ist weiterhin unstabil und unsicher.
    • Der globale Klimawandel führt zu mehr extremen Wetterereignissen, die Menschen zur Flucht zwingen.
    • Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat eine neue Fluchtbewegung ausgelöst.

    Dies bedeutet, dass Europa sich auf eine neue Welle von Migration einstellen muss. Die Politik muss dafür sorgen, dass die Aufnahmekapazitäten ausreichend sind und die Menschen, die Schutz suchen, eine faire Chance haben, in Europa ein neues Leben zu beginnen.

  • Das Geld nehmen wir

    Es gibt User-Gruppen in den sozialen Netzwerken, die sogar für mich als ausgesprochenem Gegner Sinn machen. Dort werden historische Fotoaufnahmen der Heimat gezeigt. Oft sind die Kommentare der Nutzer interessant und berührend zugleich.

    In diesen Gruppen passiert es selten, dass Leute auftreten, die den schlechten Ruf der Netzwerke begründet haben. Meistens gehts dort sachlich zu. Es kommt nicht selten vor, dass sowohl die Fotos als auch der Gedankenaustausch zu einzelnen Objekte die Mitglieder auch emotional ansprechen.

    Ich habe dieses alte Video gefunden, das sich aus Sicht des Jahres 1965 mit unserem rheinischen Braunkohleabbaugebiet beschäftigt.

    Auch darin wird erkennbar, dass es damals durchaus nicht nur Zustimmung zu den in so vieler Hinsicht disruptiven Veränderungen gab. Die Jüngeren sahen eher ihre Chancen, die Älteren trauerten der Heimat, dem Gewohnten nach. Menschen halt.

    Die im Beitrag besonders betonten positiven Veränderungen machen in meinen Augen deutlich, dass auch damals politische Vorstellungen via ÖRR favorisiert wurden. Mit anderen Worten: auch damals nutzten die Mächtigen die Manipulationsmacht der Medien. Viele Regionen haben vom Unternehmen Rheinbraun bzw. RWE und den riesigen Umwelteingriffen profitiert und die hier ansässigen Menschen in Form von gut bezahlten Jobs auch.

    Es erschlossen sich damals Geldquellen für die Kommunen, die wohl nicht in jedem Fall in nachhaltige Projekte investiert wurden. Bürgerhallen und Hallenbäder waren entstanden, die heute schon längst wieder verschwunden sind. Unter anderem wohl auch deshalb, weil die Projekte nie einer echten Bedarfsprüfung standgehalten hätten. Das viele Geld hätten die Kommunen heute dringend nötig. Stattdessen steht manche Kommune unter Haushaltsvorbehalt. Rücklagen wurden leider nicht gebildet. Auch, weil die seltsam anmutende Budgetführung (Jahresetats) das vermutlich nicht ermöglicht hat. Das Geld, das da war, musste raus.

    Heute hoffen die Menschen in unserer Region und auch in den ostdeutschen Kohlerevieren darauf, dass der Strukturwandel sich nicht so negativ auswirkt, wie manche es befürchten. Kürzlich las ich, dass unser Bürgermeister ein Großprojekt, das RWE und Land seit Jahrzehnten quasi als Anschlussverwendung für die real existierenden Grubenlöcher unserer Region geplant hatten, für eine schlechte Entscheidung hält.

    Die Gruben sollten über Jahrzehnte mit Wasser gefüllt werden und in vielen, vielen Jahren den zweitgrößten See in Deutschland bilden. Aufgrund des Klimawandels ist schon jetzt wahrscheinlich, dass die Anzahl der Jahre, die für dieses Auffüllen mit Wasser gebraucht würde, deutlich höher sein wird, als vor Jahrzehnten angenommen.

    Viele von uns werden das, wenn dieser Plan wirklich Realität würde, nicht mehr erleben. Was wir aber erlebt haben, sind Leistungen des Unternehmens RWE, über die heute für meinen Geschmack etwas zu wenig berichtet wird. Unsere Heimat verfügt heute leider nicht mehr über größere, zusammenhängende Waldgebiete. Das war früher anders. Stattdessen gibt es rekultivierte Gebiete, die unsere Gegend für verschiedenste Freizeitaktivitäten attraktiv gemacht haben. Inwieweit diese Leistungen wettmachen, dass ich wie viele andere meiner Generation die Orte der Kindheit nie mehr besuchen können, steht auf einem anderen Blatt.

  • WTF: Die Mafia in Bedburg?

    Während meines heutigen Spazierganges klingelte das Smartphone. Meine Schwester erzählte mir eine Story, die ich zunächst nicht glauben wollte. Als Aufmacher hätte es heißen können: Die Mafia in Bedburg.

    Die Nachrichten sind voll davon. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nichts davon mitbekommen. Die Eisdiele, die dieser Nacht von der Polizei ausgehoben wurde, kennen wir schon viele Jahre. Ich meine mich zu erinnern, dass es erst im vorletzten Sommer einen Inhaberwechsel gab. Ich reimte mir zusammen, dass dieser Wechsel altersbedingt gewesen sei. Die Eisdiele gehörte bis dahin einer alten Dame, die uns erzählt hatte, dass sie die viele Arbeit bald nicht mehr leisten könnte. Es lief auch nicht mehr so gut. Seitdem die Italiener übernommen hatten, war alles wieder so, wie wir Kunden uns das wünschen. Das Eis war lecker und der Service stimmte.

    Und jetzt das!

    Es ging um internationalen Kokainhandel, um Steuerbetrug im großen Stil, um Schiebereien von Containern voller Kriegswaffen aus pakistanischen Armeebeständen mithilfe einer paramilitärischen brasilianischen Gruppierung. Die Gewinne wurden vor allem in Deutschland, Belgien, Portugal und Argentinien gewaschen – über Lokale, Eisdielen oder andere Scheinfirmen.

    Kölner Stadt-Anzeiger ($)

    Die Medien berichteten, dass Polizei und Staatsanwaltschaft auf europäischer Ebene seit vier Jahren ermittelt hätten. Dabei, so der Kölner Stadt-Anzeiger, verzweigten die Aktivitäten der so genannten ‘Ndrangheta bis in die rheinische Provinz. Dem Inhaber der Bedburger Eisdiele gehört vorher das Geschäft in Siegen, das bei den Durchsuchungen in der vergangenen Nacht wohl einen Schwerpunkt bildete.

    An dem Einsatz waren über 1000 Einsatzkräfte beteiligt. Von den 30 ausgestellten Haftbefehlen konnten 18 vollstreckt werden. Es geht um sehr hohe Summen und um den Umschlag von Kokain im Tonnenbereich. Der Betreiber „unserer“ Eisdiele soll an der Verteilung großer Kokain-Mengen beteiligt gewesen sein. Zuvor war er Betreiber einer Eisdiele in Siegen. Dort sollen sozusagen die Fäden zusammengelaufen sein. Zwei Geldgeber dieser Eildiele waren in internationale Rauschgiftgeschäfte verwickelt.

    Alle Mitarbeiter stammten aus Kalabrien und seien miteinander verwandt. Unter ihnen seien Überlebende des Weihnachtsmassakers in San Luca 2006. Folge des Massakers zwischen zwei verfeindeten Mafia-Familien sollen auch die Mafiamorde mit sechs Toten von Duisburg 2007 gewesen sein. Zudem wurde demnach einer der Mitarbeiter mit europäischem Haftbefehl gesucht.

    Kölner Stadt-Anzeiger ($)

    „Unsere“ schöne und zum Glück nicht einzige Eisdiele als Zentrale für Geldwäsche? Das hatten wir uns nicht träumen lassen, meine Frau und ich. Wir haben dort in den vergangenen Jahren regelmäßig im Sommer unser Eis geschleckt. Mein Großneffe hatte dieses Eis zu seinem Favoriten erklärt. Jetzt ist Umgewöhnen angesagt.

    Es wäre nicht das erste Mal, dass sich nach ein paar Wochen erweist, dass die Beweislast nicht mehr für weitere Maßnahmen ausreicht. Die Eisdiele liegt attraktiv auf dem Marktplatz des Städtchens. Vielleicht übernimmt ja jemand anderes. Schließlich kommt der Sommer erst.

  • Warnung vor der Kommunionsbeichte

    Die „Süddeutsche“ berichtet heute über eine Warnung, die der Leiter der Missbrauchsstudie, Harald Dreßing, ausgesprochen hat. Es geht um die vor der (Erst-)Kommunion übliche Beichte. Diese findet traditionell in Anwesenheit eines Geistlichen im Beichtstuhl statt. Dieser sei, so Dreßing, in der Vergangenheit jedoch oft Tatort für Missbrauch gewesen.

    Die Bischofskonferenz ließ vor der bevorstehenden Kommunion verlauten, dass katholisch getaufte Kinder mit dem Besuch der dritten Schulklasse „fast ausnahmslos“ zur Erstkommunion gingen.

    Die Vorstellung, dass Kindern in diesem Alter in einem Beichtstuhl die Beichte abgenommen wird, ist mMn nicht schön. Das hat in meinem Fall mit meinen persönlichen Erfahrungen zu tun. Es ist nichts vorgefallen, was die Aussage Dreßings stützen würde. Aber es war halt nicht der angenehmste Teil meiner Erinnerungen an die so lange zurückliegende Zeit als Erstkommunikant.

    Angeblich sei die Beichte, so Dreßing, dazu missbraucht worden, Straftaten zu planen und vorzubereiten. Das ist perfide, liegt allerdings bei all dem Leid, das Priester in der Vergangenheit Kindern zugefügt haben, leider auch irgendwie nahe.

    In unserer Gemeinde läuft es anders. Nämlich genauso, wie es im Beitrag der „Süddeutschen“ auch erwähnt worden ist.

    Einige Bistümer bieten deswegen die Möglichkeit, die Beichte in einem nicht-sakralen Raum und bei geöffneter Tür abzuhalten. Vertrauenspersonen können so in Sicht-, aber nicht in Hörweite bleiben. Das Kind habe auch die Möglichkeit, den Raum zu verlassen, wenn es sich unwohl fühlt.

    Süddeutsche Zeitung

    Mein Großneffe ist katholisch getauft und wird übernächsten Sonntag erstmals kommunizieren. Die Beichte liegt bereits hinter den Erstkommunikanten. Sie erfolgte in einem offenen Raum. An zwei Tischen saß jeweils ein Priester, der die Beichte abgenommen hat. Als Grund für diese im Vergleich offenere Umgebung für die Beichte wurde mir die Angst mancher Kinder vor Beichtstühlen genannt. So schön die Beichtstühle vielleicht auch sein mögen, so sehr kann ich das Angstgefühl nachvollziehen. Deshalb halte ich die Neuerung für gut, auch wenn etwas mehr Ehrlichkeit vielleicht nicht geschadet hätte.

    Ich finde die Beichtstühle in unserer Kirche, gerade in unserer denkmalgeschützten, wunderschönen neugotischen Kirche, beeindruckend imposant. Aber ich habe doch auch noch die unangenehmen Erinnerungen an lang zurückliegende Zeiten in mir. Deshalb bin ich froh darüber, dass die katholische Kirche in unserem Bistum, dem ja bekanntlich Rainer Maria Kardinal Woelki vorsteht, diese offene, freundliche Umgebung wie auch anderswo in Deutschland eingerichtet hat.

    Es sind kleine Änderungen, die niemandem wehtun und die doch ein wenig dazu beitragen könnten, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Glaube ich wenigstens.

  • Erinnerung: Mal vergessen wir, mal erinnern wir uns

    Meine Erinnerungen an viele Dinge in der Vergangenheit verblassen. Andere sind so präsent, dass die vielen Jahre, die inzwischen vergangen sind, mich immer erstaunen, wenn ich darauf komme.

    Erinnerung an meinen 19. Geburtstag

    Am 23. Dezember 1972 war mein 19. Geburtstag. In meiner Mansarde gings am Nachmittag und Abend hoch her. Es war ein Samstag. Die Nachbarn werden ihre Freude gehabt haben. Dabei waren wir höchstens 10 Leute. Meine Frau und ich waren damals schon ein Paar. Sie hat nie Alkohol getrunken, auch nicht an diesem Abend.

    Wir waren früh gut gelaunt. Je später es wurde, spielte mein Geburtstag nicht mehr die größte Rolle. Wir tranken Bier und „Sauren Fritz“. Damals in den 1970-er Jahren war das ein Kultgetränk. Mir läuft heute noch ein Schauer über den Rücken.

    Zu viel Alkohol

    Eine Freundin verabschiedete sich schon recht früh, weil sie von dem Zeug zu viel und zu schnell genossen hatte. Wir waren so zwischen 17 und 19 Jahre alt und hatten – wie es damals normal war – sehr wenig Erfahrung mit Alkohol. Wir anderen hielten wacker durch. Es war nett und laut.

    Gegen 22.00 Uhr war Schluss. Wie brav wir damals waren. Es galt schließlich auch, die Zumutung für unsere Nachbarn im Haus nicht überzustrapazieren. Ob meine Eltern mir diesbezüglich irgendwelche „Weisungen“ mitgegeben hatte, weiß ich nicht mehr. Vermutlich aber nicht.

    So eine Mansarde hat was

    Ich war noch nicht müde. Deshalb blieb ich noch in meiner Mansarde. Die nutzte ich sehr gern, schlief aber trotzdem in meinem Minizimmer in meiner elterlichen Wohnung auf der ersten Etage des Hauses. Die Musik hatte Ali auf meine Anwesenheit aufmerksam gemacht. Er war ein Nachbarsjunge, genauso alt wie ich, und hatte ebenfalls eine Mansarde auf dem Speicher.

    Er kam zu mir rüber und wir öffneten nach kurzer Abstimmung eine Flasche Asbach. Bis heute kann ich dieses Zeug nicht mehr riechen. Trotzdem war der Abend noch richtig nett. Wir ließen es uns gut gehen. An den folgenden Tag habe ich keinerlei Erinnerung. Ali holte seinen alten Kicker aus seiner Mansarde. Das Ding hatte zwar keine Beine mehr, funktionierte aber ansonsten prima. Wir ließen uns auf dem Boden nieder und setzten den Tisch des Kickers auf unseren Beinen ab.

    Und wieder Led Zeppelin

    Unsere Begleitmusik war eines meiner Lieblingsalben: Led Zeppelin II. Ein Stück haben wir immer wieder volle Pulle laufen lassen. „Whole Lotta Love“ brachte auf meinem Plattenspieler einen „Sondereffekt“ hervor. Die Platte machte an einer, wie wir damals fanden, besonders geeigneten Stelle ein-, zweimal knack und spielte dann normal weiter.

    Es ist doch eigenartig, dass man manchmal Details behält, die man im ganzen Leben nicht vergisst. Die Geschichte, die leider mit ziemlich viel Alkohol verbunden ist, ist ein Beispiel. Der Kontakt mit Ali brach mit meinem Auszug aus der elterlichen Wohnung wenige Jahre später ab. Meine Frau und ich heirateten und zogen woanders hin.

    Treffen im Krankenhaus

    Vor ein paar Jahren traf ich Ali im Krankenhaus hier im Ort. Meine Schwiegermutter war gerade dort aufgenommen worden. Er sah schlecht aus und hatte stark abgenommen, seit ich ihn zuletzt gesehen hatte. Er meinte, er habe Rückenprobleme. Einige Monate erfuhr ich, dass er gestorben war – an Krebs. Das ist traurig, aber diese Erinnerung gehört leider zu meiner Geschichte dazu.

  • Nicht immer das Schlimmste denken, Horst

    Ich möchte heute nicht die ganze Geschichte ausbreiten. Nur so viel, weil ich ja schon etwas dazu geschrieben hatte:

    Nach einem Zufallsbefund wurde durch ein Angio-CT ein Arterienverschluss an meiner Leber festgestellt. Zudem wurde der Verdacht geäußert, dass in meinem Fall eine Vaskultis vorliegen könnte.

    Weitere Abklärungen wurden empfohlen. Was war also nun der nächste Schritt? Eine Einweisung ins Krankenhaus. In meinem Fall war es die Uni-Klinik in Köln. Ich war in meinem Leben zweimal im Krankenhaus. Einmal für eine Blinddarmoperation und ein weiteres Mal vor zwanzig Jahren. Ich hatte Herz-Kreislaufprobleme. Das war hier im örtlichen Krankenhaus.

    Jetzt also die Uni-Klinik. Nach Abschluss der erwähnten Untersuchungen sollte keine weitere Zeit mehr verstreichen. Deshalb sollte ich mich am gleichen, spätestens am nächsten Tag in der zentralen Notfallambulanz vorstellen. Dieses Vorgehen hatte mein Hausarzt mit einem Oberarzt in der Uni-Klinik besprochen.

    Die Sorgen waren groß. Aber: Es liegt keine Vaskulitis vor. Uff!

    Der Arterienverschluss muss nicht behandelt werden. Alle Werte und mein guter Allgemeinzustand sprechen dafür, dass chirurgische Maßnahmen eher schaden als nutzen könnten. Meine Leber sei bestens durchblutet und die verschiedenen Blutbilder sind „tippi toppi“ – sagte die Arztin.

    Natürlich hatte ich mich vorbereitet. Nicht nur mental. Mein Blutdruck war gestern 190/ ?, etwas später 175/? Typisch für mich. Ein Schisser vor dem Herrn. Wir hatten vorsorglich meine Tasche gepackt. Ich war überzeugt, dass mir eine OP bevorstehen würde.

    Unsere Erleichterung (die der ganzen Familie) werdet ihr nachvollziehen können. Jetzt sitze ich hier am Mac und teile die gute Nachricht mit euch.

    Damit soll’s aber auch mit Krankheit und Tod genug sein.

  • Wenn die Suche via Google bzw. im Internet ohne Ergebnis bleibt

    In diesem Jahr werde ich, so Gott will, siebzig Jahre alt. Es gibt viele Menschen in meinem Alter, die ihre Spuren im Internet hinterlassen haben. Ja, es gibt sogar über 90-jährige, die bloggen. Leider sind sie rar gesät.

    Überhaupt ist die Neigung, seine Mitmenschen mit der eigenen Meinung zu belästigen, wohl eher rückläufig. Dabei soll die Zahl neuer Blogs angeblich steigen.

    Die Leute haben sich je nach Gusto aufs Plaudern oder Hassen verlegt, was sie in den asozialen Medien auf „treffliche“ Weise vollführen. In der Kürze liegt die Würze, sagte man immer. Das Motto halte ich für stark überbewertet, wenn ich mir die zum Teil immer ekelhafteren Auswüchse so anschaue.

    Berührungsängste und die asozialen Medien

    Ob die im Verhältnis geringe Repräsentanz im Internet wohl auf Berührungsängste mit den asozialen Medien beruht oder auf anderen Ursachen, vermag ich nicht zu sagen.

    Da ich vor Jahren mal ein Klassentreffen mitorganisiert habe, habe ich über die Adressenlisten alle Namen unseres Abschlussjahrgangs (1968) präsent. Anhand von Namen und Wohnorten habe ich via Google nach meinen Mitschülerinnen und Mitschülern gesucht.

    Keine Treffer

    Ich muss sagen, die Trefferquote ist sehr mäßig, um nicht zu sagen extrem übersichtlich. Ich finde kaum einen Namen wieder. Offenbar sind überwiegend diejenigen zu finden, die ein Geschäft haben bzw. hatten. Die meisten werden ja längst in Rente sein.

    Spurlos

    Die meisten von uns (aus meiner damaligen Klasse) haben also (im Gegensatz zu mir beispielsweise) im Internet keine bzw. kaum Spuren hinterlassen. Es gibt ja Menschen, für die ist das ein Wert an sich. Man könnte allerdings auch andere Schlussfolgerung aus meinen Erkenntnissen ziehen. Nun ja, leider gehört zur Wahrheit dazu, dass einige meiner MitschülerInnen schon gar nicht mehr unter uns sind.

  • Die RWE – Werke sind schon so lange da

    Kürzlich habe ich auf Instagram ein Foto veröffentlicht, das die Hauptstraße, genannt Sankt-Rochus-Straße, von Kaster (ca. 6.300 Einwohner) zeigt. Das Städtchen grenzt unmittelbar an unser Dorf Königshoven.

    1000 Mal vorbei und doch nicht gesehen

    Im Hintergrund sind deutlich Gebäudeteile eines der in unserer Region so zahlreichen RWE – Werke zu erkennen.

    Durch die gewählte Perspektive wirkt das RWE-Werk übermächtig, vielleicht sogar etwas bedrohlich. Mancher wird sagen, dieses Foto könnte als Beleg für die Verschandelung von Landschaft stehen bzw. für vieles andere, was gegenwärtig an Negativem über die RWE oder andere große Stromerzeuger gesagt wird.

    Existenzen gesichert, heute verteufelt

    Dabei ist allerdings auch die andere Seite zu sehen, die heute ungerechtfertigterweise fast keine Rolle mehr spielt. Die Werke haben nicht nur die Existenzen unzähliger Familien in unserer Region gesichert, sondern auch die Finanzierung vieler öffentlicher Einrichtungen. Vielleicht war der Preis zu hoch? Wer will sich darüber ein Urteil erlauben? Nun, ich kenne leider welche.

    Niemals Kaster!

    Zu den Fotos, die ich bei Instagram veröffentliche, erhalte ich normalerweise wenige Kommentare. In diesem Fall waren es ein paar mehr. Zwei Leser wollten nicht glauben, dass diese Aufnahme echt ist, oder vielleicht, dass ich mich mit der Beschreibung geirrt hätte. Ein alter Kasteraner schrieb sogar: „Niemals Kaster“. Doch! So gut schauen wir hin, wenn wir meistens wohl in unseren Autos durch das Städtchen brausen. 🚗

    Die schwarz-weiße Version meines Fotos wirkt im hinteren Bereich tatsächlich etwas unwirklich. Oder?

    Aber die Aufnahme ist echt. Ich bin damals (Oktober 2020) dafür am Ortseingang auf die rechte Straßenseite gewechselt. Von der linken Straßenseite und selbst von der Mitte der Straße wirkt die Perspektive schon ganz anders. Die Türme der RWE wirken nicht so dominierend.

  • Wasserqualität: Niedrigwasser und gleichbleibende Industrieeinleitungen?

    Das über 30 Jahre angelegte Projekt „Emscher“ oder genauer: „Die neue Emscher – Ein Fluss kehrt zurück“ ist etwas, wofür ich mich aus dem Stegreif begeistere. Es hat lange genug gedauert, die Wasserqualität so weit zu verbessern, dass so ein Fluss quasi eine Neugeburt erleben kann.

    Ich kenne als heimatverbundener Mensch so ein wenig das Schicksal der Erft, die während vieler Jahre auch ein Fluss war, dem man ein „normales Leben“ kaum mehr zugetraut hätte.

    Bessere Wasserqualität der Erft

    Mit meinem Onkel war ich dort vor vielen Jahrzehnten einmal angeln. Wir brachten eine Forelle mit nach Hause. Meine Mutter hat sich geweigert, diesen Fisch aus dem „Drecksfluss“ überhaupt auch nur zuzubereiten. Das musste mein Onkel übernehmen, der sich auch damit zum Glück gut auskannte. Mir hat die Forelle prima geschmeckt. Längst hatte ich vergessen, wie brutal ich das Fischen und vor allem, was danach kam, im Moment der Tat gefunden habe. Angeln war auch danach nicht mein Ding.

    1955 führte die Erft 5 m3 Wasser in der Sekunde ab, zwischen 1965 und 1975 über 26 m3 Wasser.

    Wikipedia

    Inzwischen könnte man in der Erft sogar wieder schwimmen. Daran war zu diesen Zeiten überhaupt nicht mehr zu denken. Auf uns Kinder wirkte es damals ein wenig eigenartig, wenn unsere Eltern, Tanten und Onkels uns vorschwärmten, in ihrer Kindheit in der Erft geschwommen zu haben.

    Die Verschmutzung war nicht allein das Hindernis. Rheinbraun hat über viele Jahre sehr viel Grundwasser in die Erft geleitet. Die Strömungsgeschwindigkeit ist für einen so kleinen Fluss enorm hoch. Allein diese Tatsache machte es wohl auch nicht sehr ratsam, in der Erft zu schwimmen. Übrigens fällt mir auf, dass die Erft in unserer Gegend kein Niedrigwasser aufweist. In ihrem Quellgebiet, das nun gar nicht so weit von uns entfernt ist, sah das in diesem trockenen Sommer ganz anders aus. Schaut man sich die Pegelstände der Erft in Bad Münstereifel an, so kann man sich in diesem Jahr einfach nicht vorstellen, was auch dort im vergangenen Juli durch unseren Heimatfluss angerichtet wurde.

    Anhaltendes Niedrigwasser

    An den Stellen, die ich passiere und die an der Erft liegen, kann ich kein Niedrigwasser feststellen. Der Fluss sieht hier in unserer Gegend seltsamerweise normal gefüllt aus. Ich erinnere mich, dass die Erft im Jahr 2018 beispielsweise in Grevenbroich (also nur wenige Kilometer von entfernt) extremes Niedrigwasser führte. Ich nehme deshalb an, dass die Grundwasserzuleitungen immer noch eine große Rolle spielen. Da mag ich mir nicht ausmalen, wie das einmal aussehen wird, wenn diese Zuleitungen aufgrund der Aufgabe des Kohleabbaus schon bald aussehen könnte. Vielleicht bin ich einfach nur schlecht informiert und gibt diese Zusammenhänge gar nicht. Mir fällt auch auf, wie gut gefüllt der See in Alt-Kaster wirkt. Zum Glück ist sowohl in der Erft als auch im See kein Fischsterben erkennbar. Auch das war 2018 in Grevenbroich leider anders.

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    Einleitungen wurden nicht reduziert

    Der Rhein und viele andere Flüsse präsentieren in dieser Hinsicht ein anderes, beinahe apokalyptisch anmutendes Bild. Wenn ich dann höre, dass der Fluss trotz des Wassermangels von unserer ansässigen Industrie mit unverminderten Schadstoff-einleitungen malträtiert wird, verstehe ich die Welt nicht mehr. Ein Werk in Leverkusen leitet täglich 800 t Salz (sic?) in den Rhein – ebenso viel wie zu „normalen“ Zeiten.

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    Aber das gilt auch für viele andere Stoffe, die mir jedenfalls ziemlich unheimlich vorkommen. Ob sich das nicht sehr negativ aufgrund des Niedrigwassers auswirkt – für alle Lebewesen, die im und am Rhein angesiedelt sind? Ich verstehe an diesem Punkt unsere Behörden nicht. Es wird im WDR Fernsehen über solche Dinge berichtet, trotzdem lassen die Behörden diese Dinge weiterlaufen. Und das trotz der großen Hitzebelastung, der der Rhein ohnehin ausgesetzt ist.

    1. Abwässer sollen in den Rhein geleitet werden, Chempark Leverkusen – Rheinland – Nachrichten – WDR
    2. Mehr als ein Verkehrsweg: der Rhein und die Folgen des Niedrigwassers – Nachrichten – WDR

  • 2 positive Erfahrungen zum Weitererzählen

    Heute mal zwei positive Geschichten aus unserem Leben. Ich erzähle sie, weil es im Moment eher einen Überfluss an Erfahrungen gibt, die uns herunterziehen und bei manchem das Gefühl wecken, als ginge alles den Bach herunter.

    Erfahrungen 1: Nicht nur das Fahren ist teuer, auch das Parken kann teuer sein

    Liegt ein Parkhaus innerhalb eines Einkaufscenters, sollten die Interessen der ansässigen Geschäfte nicht zuletzt auch in dem System berücksichtigt werden, das wirtschaftlich möglicherweise völlig unabhängig ist, das andererseits aber zur Infrastruktur des Centers gezählt wird.

    Ich halte die Lösungen für gut, bei denen Geldautomaten aufgestellt werden. Der Kunde kann je nach Verweildauer im Center den Preis quasi selbst bestimmen. Oder man gibt Tickets aus und kann, vor der Ausfahrt aus dem Parkhaus, für die entstehende Parkzeit entsprechende Gebühren zahlen.

    Nicht so gut ist, wenn Maximalparkzeiten (z.B. 3 Stunden) festgelegt sind und eine Zeitüberschreitung mit 30 Euro sanktioniert wird. Meine Frau hatte die Parkzeit um 17 Minuten überschritten.

    Ich habe mich heute nicht an den Inhaber des Parkhauses gewandt, sondern an die Geschäftsleitung des größten dort ansässigen Geschäftes. Schließlich kann dieses Gebaren aus meiner Sicht nicht im Interesse der Einzelhändler liegen, die nicht daran interessiert sein werden, dass ihre Kunden verärgert werden.

    Meine Frau erhielt bereits heute einen Anruf. Die 30 Euro für die Parkzeitüberschreitung sollen wir nicht bezahlen. Die Geschäftsleitung werde sich um die Angelegenheit kümmern, wurde versichert. Gleichzeitig erhält meine Frau als langjährige und regelmäßige Kundin einen Parkausweis ausgestellt, so dass sie künftig kostenfrei parken kann. Das ist doch mal eine Maßnahme.

    Ich hätte nicht gedacht, dass sich auf meine E-Mail jemand melden würde. Wir wurden insofern gleich doppelt positiv überrascht.

    Erfahrungen 2: Wartezeit des Tischlers

    Im letzten Sommer brauchten wir eine kleine Rampe, mit der wir meine Schwiegermutter auf den Balkon rollen können. Sie sitzt im Rollstuhl und dieser konnte ohne dieses Hilfsmittel nicht über die Schwelle befördert werden. Ich hatte klare Vorstellungen, wie so etwas aussehen könnte und hatte dabei an Holz gedacht.

    Letztlich wurde ich von einem ortsansässigen Tischler an einen Schlosser verwiesen. Der Mann kam noch am selben Tag, nahm Maß und die Rampe stand noch in der gleichen Woche zur Verfügung.

    Jetzt hatten wir kleinere Reparaturen an einer Tür und an unserem über 30 Jahre alten Esstisch vorzunehmen. Ich rief also wieder beim erwähnten Tischler an. Ich habe schnell zwei Fotos mit dem Handy gemacht und ihm diese via „WhatsApp“ geschickt. Auch er kam bereits am selben Tag zu uns, schaute sich alles an und erklärte den Ablauf. Beide Teile wollte er mitnehmen in seine Werkstatt. Mit dem genannten Kostenrahmen waren wir einverstanden. Später am Tag wurden beide Teile abgeholt, zwei Tage später erfolgte die Lieferung der reparierten Teile. Das war eine vollkommen überzeugende Leistung.

    Eindrücke aus dem Fernsehen

    Wir schauen regelmäßig WDR Fernsehen. Dort werden regelmäßig Handwerksfirmen mit der Reparatur verschiedenster Haushaltsgegenstände in Auftrag gegeben. Bei diesen Gelegenheiten werden Fallen und Finten gestellt. Bei mir hat sich der Eindruck festgesetzt, dass man insbesondere bei erwartungsgemäß teuren Reparaturen äußerst vorsichtig agieren muss. Viele der hier gezeigten Beispiele suggerieren, dass die Handwerker entweder ihren Job nicht verstehen oder unverschämte Preise aufrufen. Unsere Erfahrungen sind in dieser Hinsicht also ganz andere.

    Man sollte, selbst bei kleinen Reparaturen, die Dinge abklären und miteinander besprechen. Vielleicht kann man, wie in meinem Beispiel, den zu reparierenden Schaden mit dem Handy fotografieren und so für Klarheit sorgen. Außerdem ist es sicher gut, wenn man zunächst einmal probiert, ortsansässige Handwerker zu beauftragen, vielleicht auch nach Empfehlungen aus dem Freundes- oder Familienkreis.

    Leider wirken solche „Tests“ im WDR Fernsehen manchmal auf mich so, als wollte man ganz bewusst die negativen Erfahrungen hervorheben. Das ist recht unfair und auch wenig hilfreich. Die Leute sind nämlich auch ohne solchen Defätismus oft voreingenommen. Wie meine Beispiele zeigen, nicht immer zu Recht.