Monat: Mai 2023

  • Das Geld nehmen wir

    Es gibt User-Gruppen in den sozialen Netzwerken, die sogar für mich als ausgesprochenem Gegner Sinn machen. Dort werden historische Fotoaufnahmen der Heimat gezeigt. Oft sind die Kommentare der Nutzer interessant und berührend zugleich.

    In diesen Gruppen passiert es selten, dass Leute auftreten, die den schlechten Ruf der Netzwerke begründet haben. Meistens gehts dort sachlich zu. Es kommt nicht selten vor, dass sowohl die Fotos als auch der Gedankenaustausch zu einzelnen Objekte die Mitglieder auch emotional ansprechen.

    Ich habe dieses alte Video gefunden, das sich aus Sicht des Jahres 1965 mit unserem rheinischen Braunkohleabbaugebiet beschäftigt.

    Auch darin wird erkennbar, dass es damals durchaus nicht nur Zustimmung zu den in so vieler Hinsicht disruptiven Veränderungen gab. Die Jüngeren sahen eher ihre Chancen, die Älteren trauerten der Heimat, dem Gewohnten nach. Menschen halt.

    Die im Beitrag besonders betonten positiven Veränderungen machen in meinen Augen deutlich, dass auch damals politische Vorstellungen via ÖRR favorisiert wurden. Mit anderen Worten: auch damals nutzten die Mächtigen die Manipulationsmacht der Medien. Viele Regionen haben vom Unternehmen Rheinbraun bzw. RWE und den riesigen Umwelteingriffen profitiert und die hier ansässigen Menschen in Form von gut bezahlten Jobs auch.

    Es erschlossen sich damals Geldquellen für die Kommunen, die wohl nicht in jedem Fall in nachhaltige Projekte investiert wurden. Bürgerhallen und Hallenbäder waren entstanden, die heute schon längst wieder verschwunden sind. Unter anderem wohl auch deshalb, weil die Projekte nie einer echten Bedarfsprüfung standgehalten hätten. Das viele Geld hätten die Kommunen heute dringend nötig. Stattdessen steht manche Kommune unter Haushaltsvorbehalt. Rücklagen wurden leider nicht gebildet. Auch, weil die seltsam anmutende Budgetführung (Jahresetats) das vermutlich nicht ermöglicht hat. Das Geld, das da war, musste raus.

    Heute hoffen die Menschen in unserer Region und auch in den ostdeutschen Kohlerevieren darauf, dass der Strukturwandel sich nicht so negativ auswirkt, wie manche es befürchten. Kürzlich las ich, dass unser Bürgermeister ein Großprojekt, das RWE und Land seit Jahrzehnten quasi als Anschlussverwendung für die real existierenden Grubenlöcher unserer Region geplant hatten, für eine schlechte Entscheidung hält.

    Die Gruben sollten über Jahrzehnte mit Wasser gefüllt werden und in vielen, vielen Jahren den zweitgrößten See in Deutschland bilden. Aufgrund des Klimawandels ist schon jetzt wahrscheinlich, dass die Anzahl der Jahre, die für dieses Auffüllen mit Wasser gebraucht würde, deutlich höher sein wird, als vor Jahrzehnten angenommen.

    Viele von uns werden das, wenn dieser Plan wirklich Realität würde, nicht mehr erleben. Was wir aber erlebt haben, sind Leistungen des Unternehmens RWE, über die heute für meinen Geschmack etwas zu wenig berichtet wird. Unsere Heimat verfügt heute leider nicht mehr über größere, zusammenhängende Waldgebiete. Das war früher anders. Stattdessen gibt es rekultivierte Gebiete, die unsere Gegend für verschiedenste Freizeitaktivitäten attraktiv gemacht haben. Inwieweit diese Leistungen wettmachen, dass ich wie viele andere meiner Generation die Orte der Kindheit nie mehr besuchen können, steht auf einem anderen Blatt.

  • WTF: Die Mafia in Bedburg?

    Während meines heutigen Spazierganges klingelte das Smartphone. Meine Schwester erzählte mir eine Story, die ich zunächst nicht glauben wollte. Als Aufmacher hätte es heißen können: Die Mafia in Bedburg.

    Die Nachrichten sind voll davon. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nichts davon mitbekommen. Die Eisdiele, die dieser Nacht von der Polizei ausgehoben wurde, kennen wir schon viele Jahre. Ich meine mich zu erinnern, dass es erst im vorletzten Sommer einen Inhaberwechsel gab. Ich reimte mir zusammen, dass dieser Wechsel altersbedingt gewesen sei. Die Eisdiele gehörte bis dahin einer alten Dame, die uns erzählt hatte, dass sie die viele Arbeit bald nicht mehr leisten könnte. Es lief auch nicht mehr so gut. Seitdem die Italiener übernommen hatten, war alles wieder so, wie wir Kunden uns das wünschen. Das Eis war lecker und der Service stimmte.

    Und jetzt das!

    Es ging um internationalen Kokainhandel, um Steuerbetrug im großen Stil, um Schiebereien von Containern voller Kriegswaffen aus pakistanischen Armeebeständen mithilfe einer paramilitärischen brasilianischen Gruppierung. Die Gewinne wurden vor allem in Deutschland, Belgien, Portugal und Argentinien gewaschen – über Lokale, Eisdielen oder andere Scheinfirmen.

    Kölner Stadt-Anzeiger ($)

    Die Medien berichteten, dass Polizei und Staatsanwaltschaft auf europäischer Ebene seit vier Jahren ermittelt hätten. Dabei, so der Kölner Stadt-Anzeiger, verzweigten die Aktivitäten der so genannten ‘Ndrangheta bis in die rheinische Provinz. Dem Inhaber der Bedburger Eisdiele gehört vorher das Geschäft in Siegen, das bei den Durchsuchungen in der vergangenen Nacht wohl einen Schwerpunkt bildete.

    An dem Einsatz waren über 1000 Einsatzkräfte beteiligt. Von den 30 ausgestellten Haftbefehlen konnten 18 vollstreckt werden. Es geht um sehr hohe Summen und um den Umschlag von Kokain im Tonnenbereich. Der Betreiber „unserer“ Eisdiele soll an der Verteilung großer Kokain-Mengen beteiligt gewesen sein. Zuvor war er Betreiber einer Eisdiele in Siegen. Dort sollen sozusagen die Fäden zusammengelaufen sein. Zwei Geldgeber dieser Eildiele waren in internationale Rauschgiftgeschäfte verwickelt.

    Alle Mitarbeiter stammten aus Kalabrien und seien miteinander verwandt. Unter ihnen seien Überlebende des Weihnachtsmassakers in San Luca 2006. Folge des Massakers zwischen zwei verfeindeten Mafia-Familien sollen auch die Mafiamorde mit sechs Toten von Duisburg 2007 gewesen sein. Zudem wurde demnach einer der Mitarbeiter mit europäischem Haftbefehl gesucht.

    Kölner Stadt-Anzeiger ($)

    „Unsere“ schöne und zum Glück nicht einzige Eisdiele als Zentrale für Geldwäsche? Das hatten wir uns nicht träumen lassen, meine Frau und ich. Wir haben dort in den vergangenen Jahren regelmäßig im Sommer unser Eis geschleckt. Mein Großneffe hatte dieses Eis zu seinem Favoriten erklärt. Jetzt ist Umgewöhnen angesagt.

    Es wäre nicht das erste Mal, dass sich nach ein paar Wochen erweist, dass die Beweislast nicht mehr für weitere Maßnahmen ausreicht. Die Eisdiele liegt attraktiv auf dem Marktplatz des Städtchens. Vielleicht übernimmt ja jemand anderes. Schließlich kommt der Sommer erst.