Monat: Februar 2023

  • Erinnerung: Mal vergessen wir, mal erinnern wir uns

    Meine Erinnerungen an viele Dinge in der Vergangenheit verblassen. Andere sind so präsent, dass die vielen Jahre, die inzwischen vergangen sind, mich immer erstaunen, wenn ich darauf komme.

    Erinnerung an meinen 19. Geburtstag

    Am 23. Dezember 1972 war mein 19. Geburtstag. In meiner Mansarde gings am Nachmittag und Abend hoch her. Es war ein Samstag. Die Nachbarn werden ihre Freude gehabt haben. Dabei waren wir höchstens 10 Leute. Meine Frau und ich waren damals schon ein Paar. Sie hat nie Alkohol getrunken, auch nicht an diesem Abend.

    Wir waren früh gut gelaunt. Je später es wurde, spielte mein Geburtstag nicht mehr die größte Rolle. Wir tranken Bier und „Sauren Fritz“. Damals in den 1970-er Jahren war das ein Kultgetränk. Mir läuft heute noch ein Schauer über den Rücken.

    Zu viel Alkohol

    Eine Freundin verabschiedete sich schon recht früh, weil sie von dem Zeug zu viel und zu schnell genossen hatte. Wir waren so zwischen 17 und 19 Jahre alt und hatten – wie es damals normal war – sehr wenig Erfahrung mit Alkohol. Wir anderen hielten wacker durch. Es war nett und laut.

    Gegen 22.00 Uhr war Schluss. Wie brav wir damals waren. Es galt schließlich auch, die Zumutung für unsere Nachbarn im Haus nicht überzustrapazieren. Ob meine Eltern mir diesbezüglich irgendwelche „Weisungen“ mitgegeben hatte, weiß ich nicht mehr. Vermutlich aber nicht.

    So eine Mansarde hat was

    Ich war noch nicht müde. Deshalb blieb ich noch in meiner Mansarde. Die nutzte ich sehr gern, schlief aber trotzdem in meinem Minizimmer in meiner elterlichen Wohnung auf der ersten Etage des Hauses. Die Musik hatte Ali auf meine Anwesenheit aufmerksam gemacht. Er war ein Nachbarsjunge, genauso alt wie ich, und hatte ebenfalls eine Mansarde auf dem Speicher.

    Er kam zu mir rüber und wir öffneten nach kurzer Abstimmung eine Flasche Asbach. Bis heute kann ich dieses Zeug nicht mehr riechen. Trotzdem war der Abend noch richtig nett. Wir ließen es uns gut gehen. An den folgenden Tag habe ich keinerlei Erinnerung. Ali holte seinen alten Kicker aus seiner Mansarde. Das Ding hatte zwar keine Beine mehr, funktionierte aber ansonsten prima. Wir ließen uns auf dem Boden nieder und setzten den Tisch des Kickers auf unseren Beinen ab.

    Und wieder Led Zeppelin

    Unsere Begleitmusik war eines meiner Lieblingsalben: Led Zeppelin II. Ein Stück haben wir immer wieder volle Pulle laufen lassen. „Whole Lotta Love“ brachte auf meinem Plattenspieler einen „Sondereffekt“ hervor. Die Platte machte an einer, wie wir damals fanden, besonders geeigneten Stelle ein-, zweimal knack und spielte dann normal weiter.

    Es ist doch eigenartig, dass man manchmal Details behält, die man im ganzen Leben nicht vergisst. Die Geschichte, die leider mit ziemlich viel Alkohol verbunden ist, ist ein Beispiel. Der Kontakt mit Ali brach mit meinem Auszug aus der elterlichen Wohnung wenige Jahre später ab. Meine Frau und ich heirateten und zogen woanders hin.

    Treffen im Krankenhaus

    Vor ein paar Jahren traf ich Ali im Krankenhaus hier im Ort. Meine Schwiegermutter war gerade dort aufgenommen worden. Er sah schlecht aus und hatte stark abgenommen, seit ich ihn zuletzt gesehen hatte. Er meinte, er habe Rückenprobleme. Einige Monate erfuhr ich, dass er gestorben war – an Krebs. Das ist traurig, aber diese Erinnerung gehört leider zu meiner Geschichte dazu.

  • Nicht immer das Schlimmste denken, Horst

    Ich möchte heute nicht die ganze Geschichte ausbreiten. Nur so viel, weil ich ja schon etwas dazu geschrieben hatte:

    Nach einem Zufallsbefund wurde durch ein Angio-CT ein Arterienverschluss an meiner Leber festgestellt. Zudem wurde der Verdacht geäußert, dass in meinem Fall eine Vaskultis vorliegen könnte.

    Weitere Abklärungen wurden empfohlen. Was war also nun der nächste Schritt? Eine Einweisung ins Krankenhaus. In meinem Fall war es die Uni-Klinik in Köln. Ich war in meinem Leben zweimal im Krankenhaus. Einmal für eine Blinddarmoperation und ein weiteres Mal vor zwanzig Jahren. Ich hatte Herz-Kreislaufprobleme. Das war hier im örtlichen Krankenhaus.

    Jetzt also die Uni-Klinik. Nach Abschluss der erwähnten Untersuchungen sollte keine weitere Zeit mehr verstreichen. Deshalb sollte ich mich am gleichen, spätestens am nächsten Tag in der zentralen Notfallambulanz vorstellen. Dieses Vorgehen hatte mein Hausarzt mit einem Oberarzt in der Uni-Klinik besprochen.

    Die Sorgen waren groß. Aber: Es liegt keine Vaskulitis vor. Uff!

    Der Arterienverschluss muss nicht behandelt werden. Alle Werte und mein guter Allgemeinzustand sprechen dafür, dass chirurgische Maßnahmen eher schaden als nutzen könnten. Meine Leber sei bestens durchblutet und die verschiedenen Blutbilder sind „tippi toppi“ – sagte die Arztin.

    Natürlich hatte ich mich vorbereitet. Nicht nur mental. Mein Blutdruck war gestern 190/ ?, etwas später 175/? Typisch für mich. Ein Schisser vor dem Herrn. Wir hatten vorsorglich meine Tasche gepackt. Ich war überzeugt, dass mir eine OP bevorstehen würde.

    Unsere Erleichterung (die der ganzen Familie) werdet ihr nachvollziehen können. Jetzt sitze ich hier am Mac und teile die gute Nachricht mit euch.

    Damit soll’s aber auch mit Krankheit und Tod genug sein.