Monat: September 2022

  • Wasserqualität: Niedrigwasser und gleichbleibende Industrieeinleitungen?

    Das über 30 Jahre angelegte Projekt „Emscher“ oder genauer: „Die neue Emscher – Ein Fluss kehrt zurück“ ist etwas, wofür ich mich aus dem Stegreif begeistere. Es hat lange genug gedauert, die Wasserqualität so weit zu verbessern, dass so ein Fluss quasi eine Neugeburt erleben kann.

    Ich kenne als heimatverbundener Mensch so ein wenig das Schicksal der Erft, die während vieler Jahre auch ein Fluss war, dem man ein „normales Leben“ kaum mehr zugetraut hätte.

    Bessere Wasserqualität der Erft

    Mit meinem Onkel war ich dort vor vielen Jahrzehnten einmal angeln. Wir brachten eine Forelle mit nach Hause. Meine Mutter hat sich geweigert, diesen Fisch aus dem „Drecksfluss“ überhaupt auch nur zuzubereiten. Das musste mein Onkel übernehmen, der sich auch damit zum Glück gut auskannte. Mir hat die Forelle prima geschmeckt. Längst hatte ich vergessen, wie brutal ich das Fischen und vor allem, was danach kam, im Moment der Tat gefunden habe. Angeln war auch danach nicht mein Ding.

    1955 führte die Erft 5 m3 Wasser in der Sekunde ab, zwischen 1965 und 1975 über 26 m3 Wasser.

    Wikipedia

    Inzwischen könnte man in der Erft sogar wieder schwimmen. Daran war zu diesen Zeiten überhaupt nicht mehr zu denken. Auf uns Kinder wirkte es damals ein wenig eigenartig, wenn unsere Eltern, Tanten und Onkels uns vorschwärmten, in ihrer Kindheit in der Erft geschwommen zu haben.

    Die Verschmutzung war nicht allein das Hindernis. Rheinbraun hat über viele Jahre sehr viel Grundwasser in die Erft geleitet. Die Strömungsgeschwindigkeit ist für einen so kleinen Fluss enorm hoch. Allein diese Tatsache machte es wohl auch nicht sehr ratsam, in der Erft zu schwimmen. Übrigens fällt mir auf, dass die Erft in unserer Gegend kein Niedrigwasser aufweist. In ihrem Quellgebiet, das nun gar nicht so weit von uns entfernt ist, sah das in diesem trockenen Sommer ganz anders aus. Schaut man sich die Pegelstände der Erft in Bad Münstereifel an, so kann man sich in diesem Jahr einfach nicht vorstellen, was auch dort im vergangenen Juli durch unseren Heimatfluss angerichtet wurde.

    Anhaltendes Niedrigwasser

    An den Stellen, die ich passiere und die an der Erft liegen, kann ich kein Niedrigwasser feststellen. Der Fluss sieht hier in unserer Gegend seltsamerweise normal gefüllt aus. Ich erinnere mich, dass die Erft im Jahr 2018 beispielsweise in Grevenbroich (also nur wenige Kilometer von entfernt) extremes Niedrigwasser führte. Ich nehme deshalb an, dass die Grundwasserzuleitungen immer noch eine große Rolle spielen. Da mag ich mir nicht ausmalen, wie das einmal aussehen wird, wenn diese Zuleitungen aufgrund der Aufgabe des Kohleabbaus schon bald aussehen könnte. Vielleicht bin ich einfach nur schlecht informiert und gibt diese Zusammenhänge gar nicht. Mir fällt auch auf, wie gut gefüllt der See in Alt-Kaster wirkt. Zum Glück ist sowohl in der Erft als auch im See kein Fischsterben erkennbar. Auch das war 2018 in Grevenbroich leider anders.

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    Einleitungen wurden nicht reduziert

    Der Rhein und viele andere Flüsse präsentieren in dieser Hinsicht ein anderes, beinahe apokalyptisch anmutendes Bild. Wenn ich dann höre, dass der Fluss trotz des Wassermangels von unserer ansässigen Industrie mit unverminderten Schadstoff-einleitungen malträtiert wird, verstehe ich die Welt nicht mehr. Ein Werk in Leverkusen leitet täglich 800 t Salz (sic?) in den Rhein – ebenso viel wie zu „normalen“ Zeiten.

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    Aber das gilt auch für viele andere Stoffe, die mir jedenfalls ziemlich unheimlich vorkommen. Ob sich das nicht sehr negativ aufgrund des Niedrigwassers auswirkt – für alle Lebewesen, die im und am Rhein angesiedelt sind? Ich verstehe an diesem Punkt unsere Behörden nicht. Es wird im WDR Fernsehen über solche Dinge berichtet, trotzdem lassen die Behörden diese Dinge weiterlaufen. Und das trotz der großen Hitzebelastung, der der Rhein ohnehin ausgesetzt ist.

    1. Abwässer sollen in den Rhein geleitet werden, Chempark Leverkusen – Rheinland – Nachrichten – WDR
    2. Mehr als ein Verkehrsweg: der Rhein und die Folgen des Niedrigwassers – Nachrichten – WDR

  • 2 positive Erfahrungen zum Weitererzählen

    Heute mal zwei positive Geschichten aus unserem Leben. Ich erzähle sie, weil es im Moment eher einen Überfluss an Erfahrungen gibt, die uns herunterziehen und bei manchem das Gefühl wecken, als ginge alles den Bach herunter.

    Erfahrungen 1: Nicht nur das Fahren ist teuer, auch das Parken kann teuer sein

    Liegt ein Parkhaus innerhalb eines Einkaufscenters, sollten die Interessen der ansässigen Geschäfte nicht zuletzt auch in dem System berücksichtigt werden, das wirtschaftlich möglicherweise völlig unabhängig ist, das andererseits aber zur Infrastruktur des Centers gezählt wird.

    Ich halte die Lösungen für gut, bei denen Geldautomaten aufgestellt werden. Der Kunde kann je nach Verweildauer im Center den Preis quasi selbst bestimmen. Oder man gibt Tickets aus und kann, vor der Ausfahrt aus dem Parkhaus, für die entstehende Parkzeit entsprechende Gebühren zahlen.

    Nicht so gut ist, wenn Maximalparkzeiten (z.B. 3 Stunden) festgelegt sind und eine Zeitüberschreitung mit 30 Euro sanktioniert wird. Meine Frau hatte die Parkzeit um 17 Minuten überschritten.

    Ich habe mich heute nicht an den Inhaber des Parkhauses gewandt, sondern an die Geschäftsleitung des größten dort ansässigen Geschäftes. Schließlich kann dieses Gebaren aus meiner Sicht nicht im Interesse der Einzelhändler liegen, die nicht daran interessiert sein werden, dass ihre Kunden verärgert werden.

    Meine Frau erhielt bereits heute einen Anruf. Die 30 Euro für die Parkzeitüberschreitung sollen wir nicht bezahlen. Die Geschäftsleitung werde sich um die Angelegenheit kümmern, wurde versichert. Gleichzeitig erhält meine Frau als langjährige und regelmäßige Kundin einen Parkausweis ausgestellt, so dass sie künftig kostenfrei parken kann. Das ist doch mal eine Maßnahme.

    Ich hätte nicht gedacht, dass sich auf meine E-Mail jemand melden würde. Wir wurden insofern gleich doppelt positiv überrascht.

    Erfahrungen 2: Wartezeit des Tischlers

    Im letzten Sommer brauchten wir eine kleine Rampe, mit der wir meine Schwiegermutter auf den Balkon rollen können. Sie sitzt im Rollstuhl und dieser konnte ohne dieses Hilfsmittel nicht über die Schwelle befördert werden. Ich hatte klare Vorstellungen, wie so etwas aussehen könnte und hatte dabei an Holz gedacht.

    Letztlich wurde ich von einem ortsansässigen Tischler an einen Schlosser verwiesen. Der Mann kam noch am selben Tag, nahm Maß und die Rampe stand noch in der gleichen Woche zur Verfügung.

    Jetzt hatten wir kleinere Reparaturen an einer Tür und an unserem über 30 Jahre alten Esstisch vorzunehmen. Ich rief also wieder beim erwähnten Tischler an. Ich habe schnell zwei Fotos mit dem Handy gemacht und ihm diese via „WhatsApp“ geschickt. Auch er kam bereits am selben Tag zu uns, schaute sich alles an und erklärte den Ablauf. Beide Teile wollte er mitnehmen in seine Werkstatt. Mit dem genannten Kostenrahmen waren wir einverstanden. Später am Tag wurden beide Teile abgeholt, zwei Tage später erfolgte die Lieferung der reparierten Teile. Das war eine vollkommen überzeugende Leistung.

    Eindrücke aus dem Fernsehen

    Wir schauen regelmäßig WDR Fernsehen. Dort werden regelmäßig Handwerksfirmen mit der Reparatur verschiedenster Haushaltsgegenstände in Auftrag gegeben. Bei diesen Gelegenheiten werden Fallen und Finten gestellt. Bei mir hat sich der Eindruck festgesetzt, dass man insbesondere bei erwartungsgemäß teuren Reparaturen äußerst vorsichtig agieren muss. Viele der hier gezeigten Beispiele suggerieren, dass die Handwerker entweder ihren Job nicht verstehen oder unverschämte Preise aufrufen. Unsere Erfahrungen sind in dieser Hinsicht also ganz andere.

    Man sollte, selbst bei kleinen Reparaturen, die Dinge abklären und miteinander besprechen. Vielleicht kann man, wie in meinem Beispiel, den zu reparierenden Schaden mit dem Handy fotografieren und so für Klarheit sorgen. Außerdem ist es sicher gut, wenn man zunächst einmal probiert, ortsansässige Handwerker zu beauftragen, vielleicht auch nach Empfehlungen aus dem Freundes- oder Familienkreis.

    Leider wirken solche „Tests“ im WDR Fernsehen manchmal auf mich so, als wollte man ganz bewusst die negativen Erfahrungen hervorheben. Das ist recht unfair und auch wenig hilfreich. Die Leute sind nämlich auch ohne solchen Defätismus oft voreingenommen. Wie meine Beispiele zeigen, nicht immer zu Recht.