Der Nikolaus – Abend, der 5. Dezember eines Jahres, war die Einstimmung auf Weihnachten. Besonders schön war es, wenn ein erster Teppich aus Schnee die Waldflächen und Wiesen des Anwesens bedeckte.

Gabi, Fredi, Anne und ich. Es war, wie immer, unser Abend. Die Erwachsenen taten alles dafür, dass die Stimmung zwischen Spannung und freudiger Erwartung nicht gestört wurde.

Bevor es ernst wurde und es schon langsam anfing dunkel zu werden, gingen wir ins Wohnzimmer. Der Kamin und der große Weihnachtsbaum tauchten den Raum in ein warmes Licht. Es war ruhig und gemütlich. Trotzdem konnte uns selbst die Tasse Kakao die aufkommende Spannung nicht nehmen.

Das Rasseln einer Kette war ein erstes Anzeichen dafür, dass sein Auftritt unmittelbar bevorstand. Die Vorhänge waren zwar geschlossen aber sie wurden von einem roten Lichtschimmer durchbrochen. Später wurden sie ganz aufgezogen. Die riesigen Fenster gaben den Blick frei auf die schneebedeckte Terrasse und den Seerosenteich auf dem wir, wenn er zugefroren war, Schlittschuhlaufen mithilfe von Stühlen, die wir vor uns herschoben, gelernt hatten. Bengalische Fackeln tauchten den Schnee in ein rotes, feierliches Licht.

Dann sahen wir den Nikolaus, wie er gemeinsam mit Knecht Ruprecht diese Treppe zur Terrasse hinaufging. Unser Nikolaus trug einen gefüllten Jutesack auf dem Rücken.

Alles wirkte so echt und imposant, dass in diesem Moment wahrscheinlich keiner von uns daran dachte, dass dieser Sack doch das eine oder andere Geschenk für uns enthalten könnte. Obwohl wir alle, Fredi ausgenommen, ganz sicher waren, das Jahr über brave Kinder gewesen zu sein, beschäftige uns die bevorstehende Zwiesprache mit dem Nikolaus heftig.

Auch die Erwachsenen hatten Termin beim Nikolaus. Ich habe bis heute nicht vergessen, als sich der Hausherr beim Nikolaus darüber beschwerte, dass “die Agnes” (wunderbare Köchin und geliebte „Ersatz – Oma“) die Suppe häufig viel zu heiß serviere. Er stellte ihm daraufhin die spöttische Frage, ob seine Mutter ihm denn das Blasen nicht beigebracht habe. Die unausweichlichen Lacher entspannten die Situation – aber nur ein bisschen.

Nacheinander erhielten wir Kinder unsere Einzel – Audienz beim Nikolaus. Fredi hatte zeitlich gesehen das längste Tête-à-Tête mit dem Nikolaus. Ich fand, er war danach etwas blass. Aber natürlich hatte er, wie wir alle, ein schönes Geschenk vom Nikolaus bekommen.

Der Nikolaus und sein Knecht Ruprecht verabschiedeten sich nach einer Weile und wir blieben noch eine Stunde zusammen.

Meine kleine Schwester,  die immerhin fünf Jahre jünger ist als ich, schaute an mir hoch und stellte ziemlich ungerührt fest:

“Du, Horst. Das war aber kein echter Nikolaus! Der hatte einen falschen Bart”.

Ich glaube, ich war ehrlich entsetzt. Aber nicht etwa deshalb, weil ich fürchtete, dass meiner Schwester damit der Glaube an den Nikolaus abhanden gekommen sein könnte. Nein, ich selbst hatte nichts bemerkt und – soweit ich das noch weiß – glaubte damals noch fest an den Nikolaus. 

Diese Nikolaus – Abende gehören zu den schönsten Kindheitserinnerungen, die ich mit dem Sonnenhof verbinde.

Der Nikolaus wurde in dieser Zeit (fast) immer vom gleichen Mann gespielt. Ich kannte ihn sehr gut. Allerdings als Nikolaus habe ich ihn nie identifiziert. Er war ein Kollege meines Vaters, und er hatte mit seiner Güte und seinem Aussehen tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Nikolaus. Daran änderte auch sein “künstlicher Bart” nichts.

Autor

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Da habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin 64 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt.horstschulte.com · blogmemo.de

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