Kleine Gesten im Bus können Standpunkte klären

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Persönliche Betroffenheit zeigt sich in spontanen und direkten Reaktionen. Sie sind ehrlich und unverstellt. Ich frage mich aber, was empfinden Menschen, wenn sie Videos wie diese anschauen? Denken sie dann: „So etwas dürfte es bei uns nicht geben!“. Oder denken sie sowas wie, der Sitzplatz im Bus für „Bio-Deutsche“ gehört zur „Leitkultur“? Aber ich will nicht provozieren.

Natürlich weiß ich, dass es etliches gibt, was dazwischen liegt. Bis hin zu dem Verhalten, das in diesen unsicheren Zeiten vielleicht am meisten verbreitet ist: Das Schweigen oder das Weggucken.

Ich hoffe nicht, dass das Verhalten, welches die Mitfahrer/innen in jenem Bus an den Tag legten, so stark verbreitet ist, wie Aktionen von NGO’s das (aus Eigennutz ?) gern suggerieren. Aber damit mag ich falsch liegen. Allerdings gibt es zum Glück andere, positive Beispiele.

Ich könnte mir vorstellen, dass das Verhalten auch je nach Region sehr unterschiedlich ist. Bisher finde ich, vielleicht ist es mehr eine starke Hoffnung als Gewissheit, dass derlei Feindseligkeiten gegen Fremde und Rassismus bei uns in Bedburg keine Chance hätten.

Hoffentlich werde ich nicht Lügen gestraft! Die Hakenkreuze an Flüchtlingsunterkünften gab es auch in Bedburg schon.

Eine lohnenswerte Lektüre möchte ich Ihnen anhand der Artikel-Serie „Unter Deutschen“ in der „Zeit“ ans Herz legen. Sie offenbart insbesondere für Sachsen (Bautzen) wenig Hoffnungsvolles, dafür vieles, das einfach nur unheimlich ist. Ich möchte darauf die naive Frage stellen, woher nur dieser unbändige, große Hass auf Fremde kommt.


Ich habe in den 1970er Jahren eine Geschichte erlebt, die mir in diesem Zusammenhang eingefallen ist und die ich an dieser Stelle kurz erzählen möchte.

Damals machte ich ein mehrwöchiges Praktikum in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Ich hatte weder Führerschein noch Auto und war daher auf den Bus angewiesen.

Es war ein heißer Augusttag, und ich war kaputt von der ungewohnten Feldarbeit. Meine Klamotten waren verdammt dreckig.

Ich war braungebrannt,  vielleicht war auch ein bisschen Erde dabei. Die sonst übliche Föhnfrisur hatte sich im Zusammenspiel von Wind und Schweiß aufgelöst.

So bestieg diese ungepflegte, womöglich sogar nach Schweiß riechende Person den Bus. Ich hatte leider keine Zeit mehr gehabt, mich noch zu waschen. Sonst hätte ich den Bus nicht mehr bekommen. Ich musste ohnehin noch einmal umsteigen. Das hätte einen ordentlichen Zeitverlust bedeutet.

Ich schmiss mich, kaputt wie ich war, wie immer in diesen Wochen auf dem nächsten freien Sitzplatz. Der Bus war gut gefüllt aber nicht voll. Direkt hinter mir hatten zwei junge Männer Platz genommen, die ein bisschen älter waren als ich.

Keine Ahnung, welchen konkreten Grund es hatte. Plötzlich pöbelten mich die Typen an. Sie stießen von hinten mit den Knien gegen meinen Sitz und sagten allerlei blödes Zeug. Sie glaubten, in mir einen „Ausländer“ erkannt zu haben. Vielleicht wurden sie deshalb immer wütender, weil ich nicht reagiert habe. Es fiel mir schwer. Aber irgendwie war ich zu müde, mich mit diesen Idioten anzulegen. „Hee, kannst du auch sprechen…, du Kanacke“.

So in dieser Art ging das eine ganze Weile, der Busfahrer sah missfällig in unsere Richtung.

Mit einem Mal war es ihm scheinbar leid. „Wenn ihr jetzt nicht aufhört, schmeiße ich euch aus dem Bus.“

Das hätte mir gerade noch gefehlt. Ich konnte doch nicht sicher sein, dass er nicht auch mich damit gemeint hatte. Obwohl ich nichts zu dieser Situation beigetragen hatte.

Die beiden gaben keine Ruhe. Plötzlich bremste der Busfahrer und bewegte sich schnell auf unsere Sitzreihen zu. „Ihr beide steigt jetzt sofort aus!„. Die waren so überrascht. Vermutlich deshalb waren sie plötzlich überhaupt nicht mehr krawallig, sondern folgten ohne großes Murren der Anweisung des Fahrers.

Die Bustür schloss sich wieder. Der Busfahrer zwinkerte mir,  in dem er wieder an seinen Fahrerplatz zurückging, zu. Ganz nach dem Motto: Jetzt ist Ruh.

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