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Winnetou im Stehen – bitte!

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Da hatte RTL einmal eine gute Idee, und wieder war es nicht richtig. Komisch, dass andere nicht längst darauf gekommen sind, die damals so wahnsinnig erfolgreiche Winnetou-Serie neu zu verfilmen. Nicht, dass mir jetzt einer mit „Der Schuh des Manitu“ kommt… Ein Sakrileg.

Die Kritiken der Remakes sind gemischt. Besonders apart sind die, die – wie bei manch anderen Themen – so total übertreiben.

Mir hat der 2. Teil, also „Der Schatz im Silbersee“ nicht gefallen. Ich habe nach einer knappen Stunde ausgeschaltet. Aber den ersten Teil fand ich wirklich ok. Mal sehen, ob ich mir den 3. Teil, den ich aufgenommen haben, auch noch anschauen werde. Mir hat gut gefallen, wie der Sachse Karl May seine Landsleute im „Wilden Westen“ repräsentiert hat. Von diesem Geist wünschte ich mir heute manchmal mehr zu sehen.  [symple_divider style=“solid“ margin_top=“20″ margin_bottom=“20″]

Der erste (richtige) Winnetou – Film kam 1962 in unsere Kinos (Uraufführung war im Dezember 1962). Es war „Der Schatz im Silbersee“. Damals war ich neun und glühender Winnetou – Verehrer. Ich erinnere mich nicht, in welchem Monat des Jahres 1963 der Film endlich in Bedburg gezeigt wurde. Ich nehme an, es war  so im Frühjahr/Sommer 1963.

https://youtu.be/gAVMJ6SlmSQ

In Bedburg gab es damals noch zwei Kinos. Sie hießen: „Scala“ und „Schauburg“.  Seit Jahrzehnten ist Bedburg leider eine kinofreie Stadt. Wer heute ins Kino will, der muss nach Kerpen, Elsdorf, Hürth oder Grevenbroich fahren. Ob sich ein Kino nicht auch bei uns halten könnte?

Eins der beiden Kinos habe ich bevorzugt. Vielleicht, weil direkt daneben eine Eisdiele war. Die Hähnchenstube liegt nur einen Steinwurf entfernt. Die Besitzer der „Scala“ waren Herr und Frau Weiler. Es gibt einfach Namen, die man sein Leben lang nicht mehr vergisst. Allerdings war ich auch ein regelmäßiger Besucher des Kinos. Und nicht nur in den 1960ern. Meine Begeisterung ebbte Anfang der 1980er Jahre ab, weil Videos zu schauen ja doch so schön bequem war. Deshalb war es zwar logisch und folgerichtig, dass das schöne Kino später einer Videotheken-Kette wich, aber traurig war es eben auch.

Meine fünf Jahre jüngere Schwester war oft mit im Kino und einige Jahre später waren es meistens ein paar Freunde, mit denen ich oft genug nicht nur die Vorstellung um 15:00, sondern auch um 17:00 Uhr besuchte.

In beiden Kinos gab es je einen großen Raum mit den in dieser Zeit üblichen ungepolsterten und verbundenen Holzstühlen. Ich erinnere mich nicht, ob die Logenplätze über die etwas bessere Sicht hinaus, auch einen besseren Sitzkomfort boten. Komfort war nicht so wichtig, Hauptsache der Film war toll. Im Kino zu sein und dem Film in freudiger Erwartung entgegenzufiebern, darum ging es. Wenn der Vorfilm begann, teilte sich ein schwerer, roter Vorhang. Kinos wurden nicht ohne Grund früher auch als Filmtheater oder Lichtspieltheater bezeichnet.

Die schummrige Beleuchtung reichte gerade aus, um sich zu orientieren und den Platz zu finden.

Mir war ziemlich egal, auf welchen Sitzplätzen ich den Karl-May-Film ansehen durfte. Hauptsache, ich kam rein ins Kino. Einen Kampf wegen der Altersfreigaben gab es nicht. Winnetou war ab 6 Jahren freigegeben (oder auch nicht – s. Link). Die Plätze ganz vorn waren zwar nicht begehrt aber notfalls – bitteschön – nahmen wir auch die. Es machte allerdings wenig Spaß, weil die nötige Haltung manchmal für Genickstarre sorgte.

Damals wurde im Kino vor dem Vorfilm eine Wochenschau gezeigt. Wenn man heute diese alten Wochenschauen sieht, muss man entweder lachen oder man kriegt nostalgische Gefühle. Mir geht es jedenfalls so. Ich finde es fast ein wenig eigenartig, dass ich in dieser so weit entfernt scheinenden Zeit schon im Kino gewesen sein soll. Man wird halt alt. Deshalb geht es wahrscheinlich vielen so und zwar nicht nur beim Anschauen alter Wochenschauen.

Bei der Premiere des 3. Teiles von Winnetou war ich arg spät dran. Die traurige Wahrheit: Die Vorstellung war total ausverkauft. Frau Weiler saß – wie meistens – an der Kasse und hat Mitleid mit mir gehabt. Sie verkaufte mir eine Eintrittskarte, worauf hin sich mein Gesicht entsprechend aufgehellt haben wird. Mir war es schnuppe, die nächsten mindestens 100 Minuten im Kinogang stehend verbringen zu müssen. Hauptsache Winnetou und Old Shatterhand sehen.

Aber es kam noch besser. Frau Weiler holte mir einen Stuhl aus ihrer Wohnung (sie wohnte praktischerweise im selben Haus, in dem sich das Kino befand) und stellte ihn in den Mittelgang des Kinos. Wahrscheinlich hat sie damit gegen irgendwelche Vorschriften verstoßen. Aber sie hatte ein Herz für ihre Kinokinder. Ich war total happy und konnte den Film genießen. Wahrscheinlich habe ich gar keinen der Karl-May-Verfilmungen verpasst. Nicht nur die mit Winnetou, sondern natürlich auch die Kara-Ben-Nemsi-Filme wie der „Schut“ oder „Durchs wilde Kurdistan“ und „Der Schatz der Atzteken“, in dem Lex Barker und andere bekannte Schauspieler der Winnetou-Reihe mitgespielt haben.

All diese Filme habe ich damals in „unserer“ Bedburger „Scala“ erlebt.

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Da habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin 64 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt.horstschulte.com · blogmemo.de

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